Interview: „Die Handschrift der ETA“

Carlos Martínez, Sprecher von Basta Ya!, Spaniens größter Anti-ETA-Bürgerbewegung, beschuldigt die baskischen Separatisten.

profil: Wer ist für die Anschläge verantwortlich – ETA oder al-Qa’ida?
Martínez: Ich glaube nicht, dass es arabische Terroristen waren. Die Art der Bomben weist auf die ETA hin. Warum sollten sich arabische Terroristen die Mühe machen, genau denselben Sprengstoff aufzutreiben? Nein, das ist die Handschrift der ETA.
profil: Dennoch sagt das Innenministerium, es könne eine spanische al-Qa’ida-Zelle gewesen sein.
Martínez: Es ist natürlich alles möglich, aber die ETA hat bereits versucht, ein vergleichbares Blutbad anzurichten. Erst vor zwei Wochen konnte die spanische Polizei einen Lieferwagen mit über 500 Kilogramm Sprengstoff stoppen, und am Heiligen Abend platzierten ETA-Terroristen zwei Rucksäcke mit Dynamit auf dem Madrider Nordbahnhof Chamartín. Diese Anschläge konnten verhindert werden, aber nun haben sie es geschafft.
profil: Aber warum gibt es dann noch kein Bekennerschreiben von der ETA?
Martínez: Nach der Festnahme von über 160 Aktivisten im Vorjahr scheint es intern Konflikte zu geben. Längst nicht alle ETA-Mitglieder werden sich für ein solches Massaker ausgesprochen haben. Schon 1987, als die ETA 21 Menschen vor einem Supermarkt in Barcelona tötete, konnte das ausführende Kommando das Attentat intern kaum rechtfertigen. Erst viel später gab die ETA öffentlich zu, für dieses Verbrechen verantwortlich zu sein.
profil: Was lässt Sie auf Konflikte innerhalb der ETA schließen?
Martínez: Dass die verbotene ETA-nahe Batasuna-Partei das Attentat verurteilt und es arabischen Terroristen zuschreibt. Sie meint, die ETA wäre nicht zu Attentaten bereit, die sich wahllos gegen Zivilisten richten.
profil: Vielleicht ist sie es ja auch nicht?
Martínez: Natürlich ist sie das, sie kämpft verzweifelt um ihr Überleben. Der derzeitige ETA-Chef Jesús Ternera ist skrupellos und hat noch nie Hemmungen gezeigt, unschuldige Menschen zu töten. Und es ist leichter, drei Leute mit Rucksäcken in den Zug zu setzen, als ein Attentat auf einen Politiker oder Militär zu organisieren.
profil: Bomben gegen das Vergessen?
Martínez: Ja, die ETA will sich wieder Respekt verschaffen, um der Bedeutungslosigkeit zu entkommen. Aber jetzt hat sie sich ihr eigenes Grab geschaufelt.