Interview: „Immer eine Spur zu gestylt“

Motivforscherin Helene Karmasin über Stärken und Schwächen beim Auftritt und Styling von Benita Ferrero-Waldner.

Über Ferrero-Waldners Frauentyp:
„Ich sehe derzeit drei Haupttypen von Frauen in der Politik: Die jungen, modernen, gut angezogenen, bei denen das Geschlecht wie bei Managerinnen keine Rolle mehr spielt. Dann gibt es den Typ Landesmutter wie Waltraud Klasnic, resolute, clevere Frauen. Und dann gibt es die harten Frauen wie Margret Thatcher, also richtige Powertypen.
Frau Ferrero entspricht keinem dieser drei Typen. Sie ist die bürgerliche Salonlady, immer eine Spur zu stark gestylt mit zu viel Schmuck und Schminke. Wenn man die Rolle des Bundespräsidenten auf reine Repräsentation reduziert, ist Ferrero-Waldner sicher eine gute Besetzung.“

Über Ferreros Diplomaten-Talk:
„Sie beherrscht es, auf die kunstvollste Weise wenig bis gar nichts zu sagen. Das entspricht schließlich auch der Aufgabe des Diplomaten, sich in wohlgesetzten Worten nicht festzulegen.“

Über den Faktor Frau gegen Mann:
„Ferrero-Waldner bringt die Frauen in eine Zwickmühle. Viele Frauen finden es schön, wenn endlich einmal eine Frau Präsidentin wird. Aber viele werden sagen: Dieser Typ von Frau ist nicht unsere Frau. Diese modernen, politisch interessierten Frauen sehen den Bundespräsidenten nicht als eine Art Queen, sondern wählen lieber eine Person, die wirklich etwas zu sagen hat. Und konservative Frauen wählen wieder lieber einen Mann ins höchste Amt. Frau Ferrero wird angreifbar durch die Signale, die sie aussendet, von ihrer Aufmachung und Sprache her.“