Interview: „Kein Kontakt zu Terroristen“

Hani Ibrahim, Vizepräsident der Palästinensischen Vereinigung in Österreich (PVÖ), über Terror-Vorwürfe der US-Regierung.

profil: Wie erklären Sie sich, dass Ihr Verein zusammen mit vier weiteren Verbänden in Europa von US-Präsident Bush beschuldigt wurde, Hamas-Terroristen zu unterstützen?
Ibrahim*: Wir waren davon alle überrascht. Wir sind seit über zehn Jahren ausschließlich humanitär tätig. Wir unterstützen natürlich keine einzige Terroristengruppe. Und wir unterhalten auch keinen Kontakt zu einer religiösen oder politischen Partei in Palästina. Wir sammeln Geld und Sachspenden und schicken Hilfspakete und Medikamente in die besetzten Gebiete, aber auch in den Libanon und nach Jordanien. Wir unterstützen 600 Waisenkinder, für die viele Österreicher eine Patenschaft übernommen haben. Und wir kümmern uns auch um in Not geratene Palästinenser in Österreich.
profil: Woher kommt das Geld? Wer sind die Spender?
Ibrahim: Palästinenser, die in Österreich leben, aber natürlich auch viele Österreicher spenden und helfen gerne. Gerade verschicken wir über tausend Schultaschen vor Schulbeginn. Wir versenden Familienpakete und helfen Spitälern in Palästina.
profil: Wie viel Geld wird gespendet?
Ibrahim: 550.000 Euro jährlich laut unserem Bericht vom Frühjahr 2002.
profil: Wohin schicken Sie das Geld?
Ibrahim: In der Regel schicken wir es an offizielle Organisationen in Palästina beziehungsweise Israel.
profil: Wer hat Zugriff auf die Konten?
Ibrahim: Das sind soziale Organisationen der palästinensischen Regierung. Die sind auch der Regierung in Israel bekannt.
profil: Die Hamas organisiert viele soziale Projekte. Kann auf diesem Weg ein Teil der Spenden doch an die Hamas fließen?
Ibrahim: Wenn eine politische oder religiöse Gruppierung daran beteiligt wäre, würden wir dort nicht helfen. Im Übrigen legen wir unsere Arbeit offen. Wir zeigen gerne, was mit unserem Geld passiert.
profil: Haben Sie Angst, dass Ihr Verein aufgrund des Drucks der USA doch noch verboten wird?
Ibrahim: Eigentlich haben wir keine Angst davor. Das Innenministerium hat ja bestätigt, dass wir nichts Verbotenes tun. Wir werden regelmäßig geprüft.
profil: Sie lassen sich nicht fotografieren. Offenbar aus Angst vor Repressalien?
Ibrahim: Wir haben Angst, dass wir keine armen Leute und Kranken mehr unterstützen können. In Palästina leben 70 Prozent unter der Armutsgrenze. Wenn wir den Ärmsten nicht mehr helfen können, was machen die dann ohne uns?