Interview: „Seither hat sich viel geändert“

Jim Cantalupo, Vorstandsvorsitzender der weltgrößten Fast-Food-Kette McDonald’s, über die Neupositionierung des Konzerns, „I’m lovin’ it“ und warum Übergewicht nichts mit McDonald’s zu tun haben kann.

profil: Nach 28 Jahren bei McDonald’s hatten Sie sich im Jahr 2001 in den Ruhestand zurückgezogen. Sie leiteten damals die internationalen Aktivitäten von McDonald’s und verabschiedeten sich mit den Worten: „Ich hatte den besten Job in ganz Amerika.“ Ein Jahr später wurden Sie zurückgeholt und zum Chief Executive Officer (CEO), also zum obersten Chef des Unternehmens, gemacht, um den etwas glücklosen Jack Greenberg zu ersetzen. Bereuen Sie, dass Sie aus der Pension zurückgekommen sind?
Cantalupo: Überhaupt nicht. Für McDonald’s zu arbeiten ist für mich mehr als bloß ein Job.
profil: Das nächste Mal, wenn Sie in Pension gehen, wird also Ihre Arbeit als CEO der beste Job gewesen sein?
Cantalupo (lacht): Das hat mich erst kürzlich jemand gefragt. Die Antwort ist: nein. Ich war 15 Jahre lang für das internationale Geschäft von McDonald’s zuständig. Ich durfte mithelfen, das Unternehmen aufzubauen und groß zu machen. Das war eine unglaublich aufregende und erfüllende Zeit für mich. Nein, ich denke, dass diese 15 Jahre das Beste waren, das ich mir wünschen konnte.
profil: Branchenanalysten in den USA sind mittlerweile skeptisch, was die Zukunft von McDonald’s betrifft. Viele zweifeln daran, dass McDonald’s die angestrebten Wachstumsziele im Fast-Food-Bereich erreichen kann.
Cantalupo: Ich teile diese Ansicht nicht. Es ist immer dasselbe: Sobald sich zeigt, dass man irgendwo ein Problem haben könnte, meint gleich eine Menge von Leuten zu wissen, was die Ursache dafür ist und was dagegen zu tun sei. Ich wäre sicher nicht aus der Pension zurückgekommen, wenn ich nicht der festen Überzeugung wäre, dass McDonald’s wieder auf Schiene zu bringen ist. McDonald’s ist eine ungeheuer starke Marke, und unsere Kunden wissen das.
profil: Wie wollen Sie McDonald’s wieder auf Schiene bringen?
Cantalupo: Wir haben die Strategie geändert. 47 Jahre lang hat sich McDonald’s darauf konzentriert, Jahr für Jahr neue Restaurants zu eröffnen. Jetzt konzentrieren wir uns darauf, mehr Kunden in bestehende Restaurants zu bringen und weniger lukrative Standorte auch wieder zu schließen.
profil: Grundgedanke Ihrer neuen Strategie ist die Konzentration auf das Kerngeschäft. Wird McDonald’s wieder zur klassischen Fritten- und Burgerbude?
Cantalupo: Das wäre eine etwas antiquierte Vorstellung. Natürlich sind Hamburger und Pommes frites das, was wir in den Anfängen von McDonald’s hauptsächlich verkauft haben. Seither hat sich aber viel geändert.
profil: Zum Beispiel, dass übergewichtige Amerikaner Schadenersatzklagen gegen McDonald’s eingebracht haben.
Cantalupo: Bis jetzt gab es eine einzige Klage, und die wurde abgewiesen. Übergewicht ist ein gesellschaftliches Problem und hat meiner Meinung nach nichts mit McDonald’s zu tun. Menschen werden nicht dick, weil sie bei uns essen, sondern weil sie zu wenig Bewegung machen und sich einseitig ernähren.
profil: McDonald’s hat in den vergangenen Jahren stark diversifiziert und in den USA andere Fast-Food-Ketten wie Chipotle Mexican Grill, Boston Market und Donatos Pizza gekauft. Das passt jetzt vermutlich nicht mehr zur neuen „Back to Basics“-Strategie. Werden Sie die Partnermarken verkaufen?
Cantalupo: Darüber habe ich noch nicht im Detail nachgedacht. Fest steht, dass McDonald’s unsere Hauptmarke ist, und um die kümmern wir uns in erster Linie. Gegen Jahresende könnte es allerdings eine Entscheidung hinsichtlich der Partnermarken geben.
profil: Es heißt, das renommierte Investmenthaus Morgan Stanley sei beauftragt, mögliche Optionen für den Verkauf dieser Restaurantketten auszuloten?
Cantalupo: Es ist richtig, dass wir mit Morgan Stanley in Kontakt stehen. Es geht dabei aber nicht darum, dass sie für uns herausfinden, welche Restaurants wir behalten und welche wir verkaufen sollten. Wir denken einfach über verschiedene Möglichkeiten nach.
profil: Donatos wollen Sie offenbar behalten. Seit kurzem expandiert die Restaurantkette in Deutschland – als bislang einzigem Land außerhalb der USA – und hat dort bereits das dritte Restaurant eröffnet. Wird es Donatos Pizza bald auch in Österreich geben?
Cantalupo: Wir haben diesbezüglich keine Pläne.
profil: Am 2. September präsentiert McDonald’s seinen neuen Markenauftritt. Der neue Werbeslogan lautet „I’m lovin’ it“ und stammt von der Münchner Werbeagentur Heye & Partner. Warum ausgerechnet eine deutsche Agentur?
Cantalupo: Wir arbeiten mit Heye & Partner schon seit mehr als 30 Jahren zusammen. Sie betreuen in Europa eine Reihe von Märkten für uns und hatten die beste Idee für den neuen Slogan.
profil: In europäischen Ländern wie Deutschland und Frankreich wurde während des Irak-Kriegs teilweise scharfe Kritik an den USA geäußert.
Ist es für ein amerikanisches Unternehmen seither schwieriger geworden,
bei europäischen Konsumenten zu reüssieren?
Cantalupo: Von Antiamerikanismus merke ich nichts. Im Gegenteil: Frankreich ist einer unserer besten Märkte in Europa. McDonald’s mag zwar eine amerikanische Marke sein, allerdings mit lokalem Inhalt.