Ist Charakter Schicksal?

Neurowissenschaft, Evolutionsbiologie, Entwicklungspsychologie und Epigenetik geben neue Antworten auf eine alte Frage: Wie werden wir, was wir sind? Und müssen wir immer die Gleichen bleiben? Das beruhigende Ergebnis: Die Eltern sind nicht an allem schuld. Die Gene aber auch nicht. Und wirklich ganz zu sich kommt der Mensch erst mit 60 Jahren.

Vor dem Amt sind alle Menschen gleich, nämlich Wartende. Wie sie das sind, unterscheidet sie im Einzelfall dann aber doch recht deutlich, insbesondere, was Lautstärke und Gesichtsfarbe anbelangt.

Charakterstudien am Montagmorgen, kurz nach acht, Führerscheinstelle, Verkehrsamt Wien-Spittelau. Hier kommt zusammen, was nicht wirklich zusammengehört, nämlich eine sehr große Menge sehr ungeduldiger Menschen, die von Warteschlange (Anmeldung) zu Warteraum (Amtsarzt) zu Warteschlange (Referentin) weitergereicht werden und erst einmal, nun ja, warten. Und wie: resigniert zu Boden starrend; nervös in Handtaschen kramend, kurz innehaltend, wieder weiterkramend; interessiert beobachtend; Mörderblicke verschickend, sobald ein Amtsdiener vorbeischlendert; ja, zum Teil sogar miteinander plaudernd, manchmal seufzend, immer wieder auch brüllend (aber erst, wenn der Amtsdiener um die Ecke gebogen ist).

Man könnte sich die Zeit mit einer Frage verkürzen: Wie werden wir eigentlich, wer wir sind? Wer oder was bestimmt, ob wir still warten oder laut, ob wir andere Leute mögen oder nicht, ob wir sie eher sexuell mögen oder eher emotional ...

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