Kein Mitleid mit Gusenbauer: Nur jedem
Fünften tut der scheidende Kanzler leid

Einst galt sie als Allheilmittel, nun hat die große Koalition in den Augen der Österreicher ausgedient: Laut aktueller Umfrage des Meinungsforschungsinstituts OGM für profil wünschen nur noch 16 Prozent eine Zusammenarbeit von SPÖ und ÖVP nach der vorgezogenen Nationalratswahl im September. Vor zehn Jahren war die große Koalition noch für knapp sechzig Prozent die liebste Regierungsform gewesen.

Nun meinen 56 Prozent, sogar die viel gescholtene schwarz-blaue Regierung habe bessere Arbeit geleistet als Rot-Schwarz unter Alfred Gusenbauer. Sogar jeder dritte SPÖ-Sympathisant ist dieser Ansicht. Den EU-Schwenk der SPÖ zu Volksabstimmungen über EU-Verträge goutieren aber fast zwei Drittel der Österreicher, nur unter den ÖVP-Wählern spricht sich eine knappe Mehrheit dagegen aus.

OGM-Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer: „Was Faymann und Gusenbauer gemacht haben, war vom Inhalt und Ziel strategisch richtig. Die Umsetzung und Kommunikation hingegen war einfach jämmerlich. Das ist völlig misslungen.“ Ein Drittel hält das enge Verhältnis des SPÖ-Spitzenkandidaten Werner Faymann zum Herausgeber der „Kronen Zeitung“ Hans Dichand für unvereinbar. Auch der „Leserbrief“, die parteiinterne Kritik daran und die Medienschelte ließ die Kanzlerpartei in der Sonntagsfrage weiter schwächeln, meint Bachmayer. Die SPÖ kommt derzeit nur noch auf 30 Prozent, die ÖVP steckt bei 33 Prozent. Die FPÖ hingegen kann zulegen: 18 Prozent gäben nun den Blauen ihre Stimme. Und immerhin elf Prozent würden, wäre dies möglich, Heinz-Christian Strache direkt zum Kanzler wählen. SPÖ-Spitzenkandidat Faymann kommt in der Kanzlerfrage auf 19 Prozent, ÖVP-Chef Wilhelm Molterer auf 18 Prozent. Bachmayer: „Es wird spannend."