<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
Eigenbrötler & Schmalzbrote

Traunsee (II): Almhütte, Konditorei und Eremitage.

An, wie soll ich das jetzt sagen, eigenwilligen Charakteren besteht rund um den Traunsee kein Mangel. Wir haben vergangene Woche schon bei Thomas Bernhard vorbeigeschaut, der sich ein paar Minuten vom See seine steinerne Burg errichtet hatte, diesen alten Bauernhof, in dem er im Stall mit dem Fahrrad herumkurvte. Die Wirkungsstätte eines anderen Eigenbrötlers finde ich in Gmunden vor. In der Konditorei Grellinger saß, wie auch Bernhard (immer am mittleren Tisch, wo er grinsend seine in Maßschuhe gehüllten Beine überkreuzt als Falle auslegte, wie Wolfgang Brenner, der heutige Besitzer, mir erzählt), den Sommer über, bis über beide Ohren in Gmunden vernarrt, Peter Altenberg, zahlte seine Rechnungen nicht und dachte, schrieb und trank vor sich hin - außer er blickte draußen auf der Seepromenade den blutjungen Mädchen nach. Altenbergs Faible für den See ist nun in einem opulenten Bild- und Textband beschrieben, der auch faszinierende Einblicke in die Villen der Gegend liefert, von denen viele hinter Mauern und Gärten verborgen liegen; die Fülle an historischen Quellen, die für dieses Buch erschlossen wurden, halte ich für beeindruckend.

Den Grellinger habe ich auch diesmal wegen der Torten besucht, was mich immerhin mit Caroline von Monaco eint. Und so ein regionaltypischer Rebell ist der Konditor Wolfgang Brenner, der im Winter immer so schöne Liebstattherzerln handbemalt, eh auch: Derzeit bildet er die Speerspitze der örtlichen Konditoren, die sich gegen die industrielle Herstellung von süßen "Traunsteinen“ aus Krokant und Schokokuvertüre durch einen neuen Großbetrieb wehren. Na ja, sind auch Sorgen.

Ein paar kurzfristige Sorgen anderer Art hat gerade Wolfgang Gröller, Eigentümer des Hotels "Das Traunsee“ in Traunkirchen. Sein Blick schwenkt zwischen Smartphone und Himmel, es geht um das leidige Wetter, heute haben seine Leute den Gastgarten schon ein paarmal hinein- und wieder hinausgetragen. "Manchmal glaube ich, wir haben schon mehr Geld für Wetterdienste ausgegeben als die AUA“, sagt er, aber das meint er nicht so ernst. Gröller hat zugesagt, mich mit einem Riva-Motorboot aus der legendären italienischen Manufaktur hinüber zur Jausenstation Kaarbach zu bringen. Und weil mir eine Riva-Spritztour viel lieber ist als die einzige andere Art, dort hinzukommen, nämlich drei Stunden Wanderung durch das Traunsteinmassiv, warten wir schnell noch den nächsten Weltuntergang ab. Kaarbach-Wirt Florian Vogl ist wohl der eigenwilligste aller Traunseer. Überregional bekannt wurde er vor einigen Jahren, als Oracle-Chef Larry Ellison, der zum Segeln hier war, ihn nicht grüßte - und wer den Vogl nicht grüßt, kriegt nix, egal, wer er ist. Ich gebe ihm brav die Hand, und Vogl gewährt mir in seiner Eremitage ein Stündchen Erholung pur: von Wildwuchs umgebene Terrasse, Vogelzwitschern, Schmalzbrot und weißer Gspritzter.

Dann wird doch noch gewandert. Eine Stunde führt der Weg hinter Gmunden hinauf zur Hütte Ramsaualm am Laudachsee. Klaus Kienesberger kocht dort, in einem vor drei Jahren stilecht renovierten Hüttenjuwel, ziemlich guten Schweinsbraten, derzeit viele Eierschwammerlgerichte und Marillenrahmstrudel. Das ist gut, sehr gut sogar, vor allem weil es ursprünglich Überlegungen gab, diese hinreißende Tribüne zum Laudachsee als Privathütte zu nutzen.

Nächste Woche: Gmunden vs. Traunkirchen - das Gourmet-Duell am See.

klaus.kamolz@profil.at