<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
Endstation Langenlebarn

Es ist verdammt schwer, vom neuen Gasthaus „Floh“ Abschied zu nehmen.

Falls es da draußen irgendjemanden geben sollte, der Messer und Gabel halten kann und nicht weiß, dass der Floh in Langenlebarn sein Wirtshaus umgebaut hat, dann teile ich diese Information an dieser Stelle auch noch mit. 45 Sommertage war das Haus geschlossen, derweil Josef Floh unten an der Donau seine Gartendependance mit einer kleineren Speisekarte bespielte. In dieser Zeit bin ich jeden Morgen früh aufgestanden und habe erst einmal auf Facebook nachgesehen, ob heute die Tischler, die Installateure oder schon wieder die Maurer zugange sind. Und wer das verpasst hat, wird jetzt mit der Umbau-Chronik konfrontiert – nämlich in Gestalt einer digitalen Diaschau in den Toiletten. Sehr anständig, Herr Floh, ich kann mich noch daran erinnern, was im Falco-Zeitalter der achtziger und neunziger Jahre im legendären Wiener „Motto“ auf den Restroom-Bildschirmen lief.

Aber die wichtige Frage lautet vielmehr: Ist dieses nahezu ungebremste Mitteilungsbedürfnis über den Fortschritt des Umbaus überhaupt gerechtfertigt? Ja, Josef Floh mag zu Recht seine Freude mit dem Ergebnis haben, dessen Investitionsvolumen ich ganz nebenbei so einschätze, dass selbst ein Tiroler Hotelier in einem Wintersport-Hotspot davor seinen Hut ziehen sollte.

Aperitif mit Blick auf die offene Küche, Josef Floh schiebt schon mal ein wunderbar abgeschmecktes Saiblings-Tatar als Horsd’œuvre aus dem Küchenschlitz. Holzplanken prägen jetzt den hinteren Speisesaal, die patinierten Sitzecken in der Schank sind erhalten geblieben. Und vieles andere, für das Josef Floh als Landgasthauspionier stand, zum Beispiel dieser stilsicher, gerade ausreichend unter der Aufdringlichkeitsgrenze zelebrierte Regionalfetischismus, bei dem uns nicht nur mitgeteilt wird, dass die Fisolen vom Gratzl Wick stammen, der was nämlich der Onkel (wir sind in Niederösterreich: Onkelland!) vom Gratzl Stefan aus Tulbing ist, sondern auch, aus welcher Lage die Radieschen zur Äsche stammen: Zeiseneck, wer’s wissen will. Aber dass sich der Floh immer was einfallen lässt, gefällt mir schon gut, auch die nicht mehr ganz neue Idee, die beeindruckende Weinkarte auf einem iPad zu reichen. Das ganze Brimborium wird aber durch eine angenehm uneitle Küche gebrochen, in der die Produkte die uneingeschränkte Hauptrolle spielen – etwa in einem Gericht mit roh mariniertem Seesaibling und dem grandiosen Gurkenessig von Erwin Gegenbauer. Oder beim lauwarmen Paradeissalat aus Erich Stekovics’ Sortenvielfalt plus Pecoraro-Essig aus Klosterneuburg plus in Buttermilch poeliertes Kalbsbries. Was noch gefällt: gesottenes Kitz mit Eierschwammerln und Jungzwiebeln, eine würzige Abwandlung des lauwarmen Rindfleischsalats, und ein trocken gereiftes Rinderkotelett vom Höllerschmid aus dem Kamptal.

Das Dumme ist nur: Ich hätte so gern, dass die Zeit im „Floh“ endlich einmal stehen bleibt. Aber das tut sie nicht, deshalb wird nach dem Mittagessen nichts aus den Zügen um 16.44,17.44 und 18.44 Uhr. Und dann passiert es, dass ich schon wieder nach einer einschlägigen Position fahnde, anstatt endlich auf der Weinkarte nachzuscrollen, wann der letzte Zug fährt.

Gastwirtschaft Der Floh

Tullner Straße 1,
3425 Langenlebarn
Tel.: 02272/628 09
Di., Mi. geschlossen
www.derfloh.at
Hauptgerichte:
9,10 bis 26,80 Euro

klaus.kamolz@profil.at