<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
"Mochi“ gefällt mir

Wie ein kleiner Szene-Japaner auf raffinierte Art zum Hype wurde.

Vielleicht muss man diese Restaurantgeschichte ja anders erzählen, um ihr gerecht zu werden. Also: Am 15. Juni 2011 ist "Mochi“ Facebook beigetreten. Von da an versorgte "Mochi“ alle, denen "Mochi“ gefällt, mit Fotos von einer Baustelle. Eher nebenbei sickerte in den Postings durch, dass "Mochi“ ein Lokal werden würde; darüber hinaus blieb es in der Öffentlichkeit ruhig - keine vollmundigen Presseaussendungen, keine Vorausberichte über den Trocknungszustand des Wandverputzes, keine Eröffnungsparty. "Mochi“ sickerte bloß so lange, bis der Fangemeinde - und in der Folge auch den Gründern - die Augen feucht wurden; vor Erwartung die der Gäste, vor Rührung die der Gastronomen. Wenige Tage vor dem Soft Opening postete "Mochi“: "Kein Tisch mehr frei für Montagabend.“ So ist das seither jeden Abend.

Was Edi Dimant und Tobi Müller, zwei Gastronomen mit internationalen Erfahrungen in Küche und Service, da auf die Beine gestellt haben, ist ein Musterbeispiel für das immer noch ungebrochene Potenzial von Mundpropaganda, die sich neuerdings halt von sozialen Netzwerken ein wenig auf die Sprünge helfen lässt. "Mochi“ konnte jeder auf seine Art für sich entdecken; Gastrojournalisten durften sich im exklusiven Gefühl baden, auf einen Geheimtipp gestoßen zu sein, Gäste freuten sich einfach über eine erfolgreiche Buchung in den ersten Tagen.

Aber was ist "Mochi“ eigentlich, außer ein japanischer Kuchen aus Reis, den Sumoringer traditionell mit Holzhämmern zu Teig klopfen? Zunächst einmal ist das Restaurant eher klein (das schadet schon mal nicht, weil man dann ja schnell überbucht ist). Weiters ist "Mochi“ in dunkler geometrischer Strenge gestaltet und schafft es mit seiner offenen Küche und dem Gästeansturm trotzdem, eine gemütserhellende Atmosphäre zu versprühen. Und drittens stimmen Konzept und Küche, was in solchen Hype-Fällen längst keine Selbstverständlichkeit ist.

Das Restaurant orientiert sich an jener japanisch geprägten Fusionküche, die in Szenelokalen von Berlin bis Los Angeles serviert wird, großteils nicht in klassischer Menüanordnung, sondern als Happen, die man bunt durcheinander ordern kann; das fängt schon mit Edamame an, den jungen Sojabohnen in der Schale, die vor einigen Jahren in den Megacity-Cocktailbars der USA als witziger Anti-Junk-Snack Einzug gehalten haben. Natürlich gibt es auch orthodoxe wie kreative Sushi-Variationen, aber die finde ich noch am wenigsten aufregend. Was allerdings sehr wohl den Anfangserfolg rechtfertigt, sind Dinge wie roh marinierte Jakobsmuscheln (ich stehe zu denen immer noch, wenn sie in einer Qualität wie im "Mochi“ zu Tisch kommen), Goldbrassen-Sashimi in einer dezent scharfen Marinade und die hierzulande kaum erhältlichen Softshell Crabs - Krabben ohne Exoskelett gewissermaßen, die gerade beim Umziehen erwischt worden sind. Im "Mochi“ werden sie frittiert und mit Wasabi-Mayonnaise verziert. Allein dafür zahlt sich schon ein Besuch aus.

Man muss nur rechtzeitig buchen oder, was findige Mochianer mittlerweile auch ganz gern tun, die innere Ernährungsuhr umstellen und am Vor- oder Nachmittag kommen. Wer es also schafft, dass die Klientel in der Kaffeepause weiche Krustentiere essen kommt, um einfach nur dort gewesen zu sein, braucht sich erst einmal keine Sorgen zu machen.

Mochi
Praterstraße 15, 1020 Wien
Tel.: 01/925 13 80
So. geschlossen
www.mochi.at

Snacks, Single-Sushi und Starter: 1,70 bis 9,50 Euro; Sushi, Sashimi und Hauptgerichte: 9 bis 21 Euro

klaus.kamolz@profil.at