<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
Reif für die Grüne Insel

Im irischen Pub "Charlie P's" läuft alles rund - auch in der Küche.

Mein letztes „irisches“ Essen liegt schon einige Jahre zurück. Ich kann das Jahr nicht mehr sagen, aber ich weiß, dass es ein 16. Juni war und ich bei Davy Byrne’s in Dublins Duke Street zwischen Menschen in historischen Verkleidungen eingezwängt stand, mit einem Glas Burgunder in der einen und einem Gorgonzolabrot in der anderen Hand. Und ich weiß, dass die Burgunderflecken auf dem Hemd später wieder ganz gut rausgegangen sind.

Wo ich die Hammelnieren verspeiste? Die, die am Bloomsday dem Gaumen „einen feinen Beigeschmack schwachduftigen Urins“ vermitteln sollen? Keine Ahnung mehr, aber ich war froh, nicht all das andere vorgesetzt gekriegt zu haben, was Leopold Bloom in James Joyce’s „Ulysses“ gerne verspeist: die gerösteten Leberschnitten und den geräucherten Dorschrogen, die Gänsekleinsuppe und die Muskelmägen. Nicht, weil ich „die inneren Organe von Vieh und Geflügel“ (Joyce) verschmähte, aber irisches Essen war mal nicht ganz so berühmt.

Das hat sich längst in Dublin geändert – und in Wien auch. Vor Jahren etablierte der irische Koch Gareth Smith im Pub „Charlie P’s“ in der Wiener Währinger Straße eine eiländische Gourmetküche, die in Verbindung mit fröhlicher Afterwork-Pub-Stimmung und angloamerikanischer Professionalität im Service nicht nur ziemlichen Spaß machte, sondern auch ein wenig Staunen hervorrief: Da kommen zwei Iren – neben Smith der Owner Brian Patton –, ziehen eine Sache durch, und auf wundersame Weise gelingt ihnen, womit sich heimische Gastronomen zunehmend schwertun: Le Fooding zu leben, diese perfekte Balance aus Küche, Preisgestaltung und Ambiente.

Im Dining Room des „Charlie P’s“ kocht nun ein Neuer, Petr Matusny. Und ich darf konstatieren: Es ist nichts schlechter geworden, als es unter Smith war. Drei kleine, aber den Duft der Gischt, die von den Klippen spritzt, verströmende irische Austern müssen sein; die gehen mit einem Guinness genauso gut wie mit der nicht gerade umfassenden, aber stimmigen Auswahl an offenen Weinen. Das tiefschwarze Guinness Bread dazu ist ebenfalls ein Hammer. Sagt man O’Pumpernickle?

Danach: eine Hasenterrine, mit Schwammerl-Chutney und eingelegten Gurkerln eine recht frische Sache. Etwas seltsam, aber kochtechnisch verblüffend und geschmacklich aus einem Guss: ein wachsweiches Hühnerei, eingebacken in ein Fleischpflanzerl aus Reh. Der Schlussbraten vom Tullamore-Lamm mit brauner Kapernbutter ist hervorragend, die knusprige Krokette, die ein Erdäpfelpüree in sich birgt, von dem sich viele Köche hierzulande was abschauen können, auch. Und über die Rillette vom Lamm breiten wir schnell den Mantel des Schweigens – den zu Zylindern gepressten Fasern fehlt es schlicht an Feuchtigkeit.

Matusnys Küche ist keine, die viel mit Kräutern am Hut hat; sie changiert eher zwischen süß und sauer. Eine Ausnahme bildet die Minze in einem wirklich guten Erbsenpüree. Das begleitet den köstlichen, in Bierteig gebackenen Kabeljau und die dreifach frittierten, herrlich knusprigen Pommes frites (Chips genannt). Ach ja, so was nennt sich Fish & Chips. Und so was kann man im „Charlie P’s“ auch getrost essen. Ich bin sicher vor dem nächsten 16. Juni wieder da.

Dinning Room im Charlie P's
Währinger Staße 3, 1090 Wien
Tel.: 01/409 79 23
Hauptgerichte: 9,50 bis 21,90 Euro
www.charlieps.at

klaus.kamolz@profil.at