Kreuzzug gegen den Vatikan: Modernisten gegen Erzkonservative spaltet die Kirche

Nach dem ertrotzten Rücktritt des designierten Bischofs Gerhard M. Wagner haben die Modernisierer Oberwasser: Widerstand lohnt sich – selbst gegen den Papst. Der konservative Kirchenflügel ist in Aufruhr.

Von Herbert Lackner und Otmar Lahodynsky

Eigentlich wollte man über Psalmen und deren spirituellen Gehalt diskutieren, aber die Tagesordnung war schon Makulatur, bevor sich die zwei Dutzend Aktivisten von „Wir sind Kirche“ in der Pfarre St. Gertrud überhaupt zusammensetzten. Statt frommer Gesänge durchwehte vergangenen Mittwoch ein Hauch von Aufstand den Bibelabend der Laien- und Priesterbewegung im tiefbürgerlichen Wiener Bezirk Währing. „Es ist ja auch einmalig in der Kirchengeschichte, dass sich das Kirchenvolk gegen den Papst durchsetzt“, meint ein Aktivist, Zivilberuf Personalberater, verhalten triumphierend. Jetzt müsse man die Gunst der Stunde nützen: „Es ist ja wie der Kampf David gegen Goliath, aber jetzt haben wir die Chance auf tief greifende Veränderungen“, glaubt eine kämpferische Pensionistin. Zum Abschluss singt man „By the Rivers of Babylon …“ Eine ältere Dame tanzt gut aufgelegt mit.

Seit dem ertrotzten Rückzug des umstrittenen Weihbischofs Gerhard Wagner sind die innerkirchlichen Reformer im Höhenflug. Schon werden wieder jene fünf Forderungen hervorgekramt, für die das „Kirchenvolks-Begehren“ 1995 nach dem Skandal um den Wiener Kardinal Hans-Hermann Groer über 500.000 Unterschriften gesammelt hatte: mehr Mitsprache, Gleichberechtigung für Frauen und deren Zulassung zum Priesterdienst, Aufhebung des Pflichtzölibats, menschengerechten Umgang mit der Sexua­lität, Respekt für Homosexuelle, „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“ also.

Feuer am Dach. Hans Peter Hurka, Generalsekretär von „Wir sind Kirche“, will dem Kardinal dieses Paket noch einmal vorlegen. „Schönborn darf jetzt nicht nur Beruhigungspillen verteilen. Es geht um die Wiederaufnahme des Dialogs.“ Nach einem einzigen Treffen zwischen Bischöfen und „Wir sind Kirche“ hatte die Amtskirche 1998 den Kontakt zu den aufständischen Gläubigen abgebrochen – auch auf Druck aus dem ­Vatikan. Die katholische Kirche Österreichs steckt wegen der Bestellung des erzkonservativen Pfarrers Gerhard Maria Wagner zum neuen Linzer Weihbischof trotz dessen Rückzugs in den größten Turbulenzen seit den Affären um Kardinal Groer und Bischof Kurt Krenn. In praktisch allen Diözesen schwappt eine Welle von Kirchenaustritten durch die Pfarrkanzleien.

Rom hat den Bogen überspannt. Die Pardonierung der erzkonservativen Pius-Bruderschaft, die Nachgiebigkeit gegenüber dem hartnäckig den Holocaust leugnenden Lefebvre-Bischof Richard Williamson – und dann noch die unabgesprochene Bestellung des Fundamentalisten aus Windischgarsten zum Weihbischof: Das war großen Teilen des Kirchenvolks zu viel.

„Für die Kirche in Österreich ist schon lange Feuer am Dach“, sagt der Pastoraltheologe Paul Zulehner. „Und was macht der Papst? Er löscht dort, wo es nicht brennt, und verwendet statt Wasser Benzin.“ Die Wirkung ist entsprechend: Verschiedene Laiengruppen hatten bereits Störaktionen für die Ende März angesetzte Weihe Wagners im Linzer Dom geplant und erwogen einen Boykott der Kirchenbeitrags-Zahlungen. Fromme Dechanten liefen zu den Aufständischen über. In dieser Situation zeigte Kardinal Schönborn Führungsstärke. Er setzte sich in Rom persönlich dafür ein, die Ernennung Wagners zu überdenken. Als Wagner dann Sonntagabend erklärte, „im Interesse der Kirche“ verzichte er auf das Amt, stimmten ihm erstmals alle zu: Sein Verbleib hätte gewaltigen Flurschaden verursacht.

Die Montag früh tagende Bischofskonferenz war sich des Ernsts der Lage bewusst. In einem „Hirtenbrief“ von fast historischer Dimension wurden „Fehler in der Kirche“ zugegeben. Den Vatikan erinnerte man an die Probleme rund um die Ernennung von Hans Hermann Groer und Kurt Krenn in den achtziger Jahren. Es müsse in Zukunft sichergestellt sein, „dass Bischöfe nicht gegen, sondern für eine Ortskirche ernannt werden“ – ein deutlicher Hinweis auf die anstehenden Ernennungen von Bischöfen für vier Diözesen. Langsam lichten sich nun auch die Nebel, wie die überfallsartige Bestellung ­Wagners inszeniert wurde. Alles begann ­damit, dass der Linzer Diözesanbischof ­Ludwig Schwarz vor einem Jahr im Vatikan um die Beistellung eines Weihbischofs ansuchte und einen Dreiervorschlag unter­breitete. Pfarrer Wagner war nicht dabei.

Der Brief aus Oberösterreich erregte in Rom Interesse. Der Vatikan hatte Linz schließlich schon lange im Visier. Vor allem die starke Laienbewegung irritierte die konservativen Kleriker. Schon Altbischof Maximilian Aichern hatte Laien als Pastoralassistenten eingesetzt. Immer wieder berichtete der „Linzer Priesterkreis“, ein Zusammenschluss von konservativen Geistlichen, dem auch Wagner angehörte, in Rom sorgenvoll über den Vormarsch der Laien. Die im Mühlviertel abgehaltenen Sommerakademien des Priesterkreises besuchten auch der damalige Kardinal Josef Ratzinger und sein älterer Bruder Georg aus dem nahen Bayern.

Jener Georg soll bei der Kür Wagners eine Rolle gespielt haben. Eine Reporterin des britischen katholischen Wochenmagazins „The Tablet“ nannte drei Personen als maßgebliche Drahtzieher: neben Papst-Bruder Georg Ratzinger den Sekretär des Papstes, Georg Gänswein, und den früheren Bundesratspräsidenten und ÖVP-Politiker Herbert Schambeck.
Schambeck dementiert gegenüber profil: „Ich kenne Herrn Wagner nicht. Außerdem mische ich mich nicht in Personalentscheidungen ein, die mich nichts angehen.“ Was er gerne zugibt, sind seine „jahrelangen exzellenten Kontakte“ zur Kurie in Rom. Ein Vatikan-Insider erzählt, Schambeck versorge noch immer wichtige Kurienvertreter mit Informationen über die Kirche in Österreich. Schon bei der Bestellung der Bischöfe Groer und Krenn war Schambeck als Vatikan-Flüsterer verdächtigt worden, der dem Papst zu harter Hand gegen die batzweiche Kirchenführung in Österreich geraten habe.

Geheimdiplomatie. Doch diesmal wehrten sich die heimischen Kirchenoberen effektiver. Dabei traf es sich gut, dass Kardinal Christoph Schönborn am 8. Februar, also eine Woche nach der Wagner-Bestellung, einen Abendessen-Termin beim Papst hatte. Eigentlich sollte der Dialog mit dem Judentum besprochen werden, aber Schönborn brachte auch den Proteststurm gegen die Wagner-Bestellung zur Sprache.

Drei Tage später, am 11. Februar, weilte der Grazer Bischof Egon Kapellari in Rom. Er hatte einen Audienz-Termin bei Benedikt, in dessen Mittelpunkt die Causa prima stand. Zuvor war es zu einer denkwürdigen Begegnung gekommen. Die steirische Delegation saß gerade beim Mittagessen in einer Trattoria in der Borga-Pio-Straße, als draußen Wagner vorbeispazierte. Der Windischgarstener erklärte, er sei wegen der Bestellung eines Bischofsgewands zu seiner Lieblingsschneiderei nach Rom gereist. Schönborn und Kapellari fanden offenbar Gehör. Am Wochenende bekam der ­Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz jedenfalls grünes Licht für ein entscheidendes Gespräch mit Wagner. Kurz darauf gab der Windischgarstener w. o., Rom wurde telefonisch vom Abschluss der Aktion informiert und reagierte wortkarg.

Dem Frohlocken der Reformer über den Rückzug Wagners folgte vergangene Woche der Gegenangriff der innerkirchlichen Rechtsaußen. Als deren wichtigster geistlicher Mentor trat einmal mehr der Salzburger Weihbischof Andreas Laun auf den Plan, der via Internet in einer „Analyse der Vorwürfe“ Beinahe-Bischof Gerhard Wagner in jedem Punkt Recht gab: Homosexualität sei heilbar, und Harry Potter öffne „Jugendlichen die Türen für unreine Geister und Fantasien“. Die Angriffe auf Wagner vergleicht Laun mit dem Nationalsozialismus: „Es war wie ein Rausch.“

Internethetze. Schriftgelehrte unter den Rechtskatholiken halten den Rückzug Wagners ohnehin für einen Verstoß gegen das Kirchenrecht. Im Kodex des kanonischen Rechts wurden sie – jedenfalls ihrer Meinung nach – fündig. In Kanon 188 heißt es dort: „Ein Verzicht, der aufgrund schwerer, widerrechtlich eingeflößter Furcht … erfolgte, ist von Rechts wegen ungültig.“ Kanon 189 ergänzt: „Die Autorität darf einen Verzicht, der nicht auf einem gerechten und angemessenen Grund beruht, nicht annehmen.“ Ihr Schluss: Wagner darf nicht zurücktreten, der Papst dürfte einen Rücktritt auch gar nicht akzeptieren. Viel Raum bekommen solche Überlegungen auf den derzeit aktivsten Plattformen der Konservativen, den Websites www.kath.net/ und www.kreuz.net/.

„kath.net“ , die gemäßigtere der beiden Adressen, steht den bei den Nationalratswahlen angetretenen „Christen“ nahe. Sie wird vom Mühlviertler Roland Biermeier gestaltet, der durch Heirat zu einem ­Baron Roland Noé de Nordberg avancierte. Biermeier alias Noé de Nordberg verfügt über gute Verbindungen in den Vatikan. So war er etwa dabei, als das österreichische Skiteam im Sommer 2007 über Vermittlung von Papst-Sekretär Georg Gänswein im ­Vatikan empfangen wurde. Augenzeugen zufolge soll der Papst den Mühlviertler sogar angesprochen haben: „Sie kommen von kath.net? Sie verbreiten wichtige Nach­richten!“

Auf der fast im Stundentakt upgedateten Internetseite wird derzeit alles aufgeboten, was bei den Katholo-Rechten Rang und Namen hat, um den Triumph der Fortschrittler im Fall Wagner zu beklagen. Auf den Forumseiten wüten Enttäuschte über „diesen Skandal der größten Ordnung, das ist einer der schlimmsten Vorfälle in der Kirchengeschichte“, wie ein „Gandalf“ schreibt. Es sei ein Sieg „der linken Jagdgesellschaft“, ärgert sich „Cassian“.

Wer hinter der weit radikaleren „kreuz.net“-Website steckt, bleibt im Halbdunkel. Als Besitzer firmiert eine „Association for Catholic Communication“ mit Sitz in El Segundo/Kalifornien. Der Server der Website steht in Atlanta. Die Texte werden eindeutig aus Österreich beigesteuert. Ihre Inhalte sind bisweilen nicht von dieser Welt. Als etwa vergangene Woche drei Seminaristen des französischen Ablegers der Pius-Bruderschaft bei einem Lawinenabgang in der Schweiz ums Leben kamen, titelte kreuz.net die Meldung mit: „Der nächste schwere Schlag des Teufels“. Der vom Papst re­habilitierte und inzwischen aus Argentinien ausgewiesene Bischof Richard Williamson darf auf kreuz.net. seitenweise seine Theorie darlegen, „warum niemand durch ­Vergasung in den Gaskammern“ der Nazis umgekommen sei. Diese hätten außerdem keineswegs sechs Millionen, sondern nur 200.000 Juden umgebracht, so Williamson. Die Kritik an Williamson ist für kreuz.net bloß ein „Empörungsfestival“. Die heutigen Juden müssten bekehrt werden: „Der Missionsbefehl des Herrn bezieht sich auch auf die Juden.“

In der Causa Wagner bietet kreuz.net ­allerlei einschlägige Prominenz auf, um die „Verfaultheit der Kirche“ zu beklagen, darunter den greisen Pornojäger Martin ­Humer. Auch dem „Straßenmagazin profil“ zürnt kreuz.net, weil dort das für Wagner letztlich verhängnisvolle Interview über die „Heilbarkeit von Homosexuellen“ veröffentlicht wurde.

Homosexuelle werden in kreuz.net als „Sodomiten“ bezeichnet. Als Sodomie gilt im üblichen Sprachgebrauch Sex mit Tieren. Auf den Forumseiten wird denn auch ernsthaft darüber diskutiert, ob Homosexuelle in der Bibel als „Hunde“ bezeichnet wurden. Das Bergpredigt-Zitat „Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben“ wird auf die Homo-Ehe angewendet.
In eine ähnliche Kerbe schlägt der FPÖ-Europa-Parlamentarier Andreas Mölzer in einem Kommentar in „Zur Zeit“. Homosexuelle sind für ihn jene „Kreise, in denen der Analverkehr mit möglichst knackigen Jünglingen praktiziert wird“. In der Causa Wagner sieht sie Mölzer im Verein mit „linkem Tugendterror“, „Kirchenhassern“ und einer „politisch korrekten Meute“.

Mölzers Pendant im BZÖ , Ewald Stadler, will jetzt sogar zur Tat schreiten. Er ruft zum Kirchensteuer-Boykott, weil es für Leute wie ihn „nicht mehr zumutbar ist, die erpresserische Rebellion des kirchlichen Funktionärsapparats gegen den Heiligen Vater zu finanzieren“. Aber die Zeiten, in denen die Politik Papstwahlen und Bischofsernennungen lenkte, sind vorbei – die Probleme schafft sich jetzt schon die Kirche selbst.

Eid gegen Moderne. Das war nicht immer so. Als der greise Papst Leo XIII. – der mit seiner Enzyklika „Rerum Novarum“ erstmals die Probleme des Industrieproletariats erwähnt hatte – 1903 starb, griff Kaiser Franz Joseph massiv ein. Der Reformer Leo hatte sich seinen Staatssekretär Mariano Rampolla als Nachfolger gewünscht. Franz Joseph mochte Rampolla nicht – er hielt ihn für einen Franzosenfreund. Im Konklave schickte der Kaiser den Krakauer Kardinal vor, der gegen Rampolla intrigierte. Die Aktion Franz Josephs war durchaus legitim: Seit dem 17. Jahrhundert hatten die katholischen Monarchen Spaniens, Frankreichs und Österreichs ein gewisses Mitspracherecht bei der Papstwahl, die so genannte Exclusio.

Das Rennen machte schließlich der Patriarch von Venedig, Giuseppe Sarto, der als Papst Pius X. in die Kirchengeschichte eingehen sollte. Er führte jenen „Antimodernisten-Eid“ ein, den jeder zum Bischof oder Priester Geweihte bis zu seiner Abschaffung 1967 leisten musste. Die Pius-Bruderschaft pflegt noch heute das Andenken an den Stockkonservativen. So wie heute sammelten sich auch in der Amtszeit von Pius Kritiker. In Wien etwa gab es eine „Leo-Gesellschaft“, die sich am fortschrittlichen Reformpapst orientierten. „Die Mitglieder waren meist Professoren, Offiziere oder Aristokraten“, weiß der katholische Publizist Kurt Dieman, dessen Großvater Generalmajor Alois Dichtl von Jörgenreuth ebenfalls bei den „Leos“ war. 1938 lösten die Nazis den Verein auf.

Laienrevolte. Auch nach 1945 griff die Politik ein, wie etwa im Fall Jachym. Der Wiener Koadjutor Franz Jachym war 1950 zum Weihbischof ernannt worden und war während der Zeremonie aus dem Stephansdom gestürmt. Zuvor hatte er erklärt, „in vielen durchwachten Nächten“ erkannt zu haben, dass er nicht würdig sei. Eingeweihte munkelten von einer Frauengeschichte. Jachym wurde sofort nach Rom zitiert, wo die Bischofsweihe drei Wochen später nachgeholt wurde.

In den folgenden Jahren profilierte sich Jachym an der Seite von Kardinal Innitzer als kluger und zukunftsoffener Kirchenmann. Als Innitzer 1955 starb, galt er als Top-Favorit. Im Jänner 1956 kritisierte Jachym bei einer Tagung des Katholischen Familienverbands die Wohnungspolitik der ÖVP-geführten Regierung als unsozial. Bundeskanzler Julius Raab war außer sich und entsandte den greisen katholischen Publizisten Friedrich Funder nach Rom, um vor Jachym zu warnen. Das Rennen um die Innitzer-Nachfolge machte schließlich der bis dahin weitgehend unbekannte St. Pöltner Koadjutor Franz König.

Heute stehen die Politiker – auch jene der ÖVP – mit großer Mehrheit auf der Seite der Reformkräfte. Die von den ehemaligen VP-Granden Erhard Busek, Andreas Khol und Herbert Kohlmaier ins Leben gerufene „Laieninitiative“ erfreut sich in der Kirchenkrise regen Interesses. Die drei Expolitiker sammelten bereits über 8000 Unterschriften. Ihre Forderungen: Verheiratete Priester sollten künftig ebenso wie „bewährte Männer“ Seelsorge-Dienste leisten dürfen. Frauen sollten Diakone – eine Vorstufe zum Priesteramt – werden dürfen, aber nicht zur Priesterweihe zugelassen werden. „Mit dem Verzicht von Pfarrer Wagner wurde nur ein ärgerlicher Anlassfall beseitigt“, meint Busek. „Die Grundprobleme der Kirche, etwa die Sicherung der Seelsorge am Land, bleiben ja weiter ungelöst.“

Boykott. Andreas Khol, als aktiver Politiker Erhard Busek keineswegs immer verbunden, sieht das ähnlich: „Es ist ein unglaublicher Präzedenzfall eingetreten, in dessen Licht man auch künftige Bischofsernennungen sehen muss. Man hat erkannt, dass sich Widerstand lohnt.“ Nachsatz: „Ich hoffe nur, dass man aus der Geschichte lernt.“

Die Organisation „Wir sind Kirche“ will nächste Woche bei einer Klausur konkrete Schritte für einen Dialog mit den Bischöfen über nötige Reformen beschließen. Falls die Bischofskonferenz weiterhin Gespräche ablehnt, wollen die Aktivisten zu einem landesweiten Boykott der Kirchenbeitragszahlungen aufrufen. Das Geld soll vorerst auf einem bereits eingerichteten Treuhandkonto geparkt werden. Der Linzer Kirchenrechts-Professor Bruno Primetshofer sieht das Problem eher im Vatikan: „Ich fürchte, der Papst hat längst die Bodenhaftung verloren. Er sollte in einer Landpfarre oder in einer Trattoria mit einfachen Leuten sprechen. Ich fürchte nur: Er wird es nicht tun.“

Foto: Peter M. Mayr