Krieg um Öl: Verwundbarste Stelle

Für die Islamisten ist die saudische Ölindustrie das perfekte Angriffsziel.

Abdulasis al-Mukrin, Führer der al-Qa’ida in Saudi-Arabien, freute sich diebisch über die Auswirkungen der jüngsten Terrorattacken. Diese brachten, frohlockte er, „den Ölpreis auf den höchsten Stand von 42 Dollar“ pro Fass. Die Gotteskrieger, Feinde der westlichen Moderne, kennen ihren Gegner genau – und wissen, dass sie dem Westen mit Angriffen auf den Saft, der die Weltwirtschaft antreibt, mehr schaden können als mit Attacken auf amerikanische Soldaten im Irak.

Erstaunlich präzise haben die Djihad-Krieger ihre Taktik darauf ausgerichtet. Mit Sabotageakten im Irak haben sie die Ölexporte des Landes fürs Erste zum Erliegen gebracht. Nach Anschlägen bei Kirkuk im Norden und Basra im Süden mussten die Ausfuhren – zuletzt immerhin 1,6 Millionen Barrel pro Tag – für unbestimmte Zeit eingestellt werden.

Dies und die dramatische Eskalation der Gewalt in Saudi-Arabien versetzen die westlichen Ölmärkte in höchste Nervosität. Zwar verweisen die saudischen Behörden darauf, dass die Nervenzentren der Ölindustrie, vor allem die Verladeterminals Ras Tanura und Abqaiq, massiv geschützt sind. Doch auch unter Sicherheitskräften und Technikern hat al-Qa’ida in Saudi-Arabien Anhänger. Ein konzertierter, gut vorbereiteter Sabotageanschlag auf die Netzknoten des Pipelinesystems, und ein Viertel der saudischen Exporte sei schlagartig und für ziemlich lange Zeit vom Markt, fürchten Experten. Dann könnte sich, schätzt Robert Baer, Ex-CIA-Mann und Autor des Buches „Die Saudi-Connection“, der Rohölpreis verdreifachen.

Womöglich ist aber eine solche Megaattacke gar nicht nötig. Schon die stetigen Angriffe auf westliche Spezialisten könnten die Ölproduktion treffen – wenn viele Techniker und Ingenieure aus Angst ihre Jobs quittieren. „Das sind die Leute, von denen die Anlagen am Laufen gehalten werden“, sagt Baer. „Wenn sie gehen, kollabiert die saudische Wirtschaft.“