„Kriegsbefehle waren einfach auszuführen“

Ein ehemaliger SS-Obersturmführer aus Klagenfurt, ein Mann auf der Liste der Verdächtigen, sagt, „gegen die Kommunisten kämpfe ich mit dem Herzen“.

Der ehemalige Obersturmführer und Kommandant des Panzerregimentes 26 der „16. SS-Division Reichsführer – SS Heinrich Himmler“ lebt heute in Klagenfurt und hat kaum etwas von seiner Zackigkeit eingebüßt. Laut, deutlich, präzise und kraftvoll verschießt der 85-Jährige seine Aussagen in messerscharfem Befehlston. Bei ihm sei man auf der falschen Fährte: „Alle kennen mich, und ich kenne sie auch alle, die Herren Beamten, Polizisten und Politiker. Gegen mich hat noch nie jemand ermittelt.“ In den sechziger Jahren habe es gegen ihn schon Vorwürfe gegeben, die in einem „blauen Buch“ der Amerikaner aufgelistet waren: „Ich habe mir das in der Klagenfurter Polizeidirektion angeschaut. Das war es dann. Ich habe mich nie und vor niemandem verborgen.“

Gekämpft habe er in Russland und Italien, an Ermordungen von Zivilisten habe er nie teilgenommen: „Angriff ist Angriff. Doch wir haben ausschließlich militärisch gehandelt.“ Die Polizeieinheiten der SS, ja, die schon. Die hätten „auch die unangenehmeren Aufgaben“ zu erledigen gehabt. Doch er, und seine Truppe, nicht. „Im Prinzip“, räumt er ein, „hat das Erschießen Wehrloser mit militärischem Denken nichts zu tun.“ Natürlich seien auch in der Wehrmacht „spontan ungeschickte Sachen passiert, aber einen sauberen Krieg, das gibt es eben nicht. Es war reine kommunistische Propaganda, wenn da von flächendeckenden Massakern die Rede war.“

Der Mann, den profil vergangene Woche traf, überlebte mehrere Durchschüsse und andere Verwundungen und ist jedes Mal freiwillig zur Front zurückgekehrt. „Gegen die Kommunisten kämpfe ich mit dem Herzen“, habe er im Frühjahr 1945 während einer halbstündigen Feuerpause an der italienischen Front einem gegnerischen kanadischen Offizier erklärt, „gegen alle anderen nur auf Befehl.“ Kriegsbefehle, sagt er heute, „waren einfach auszuführen.“

Unverständlich. Fühlt sich der Mann heute als Antisemit? „Aber wo. Nicht einmal denken. Ich bin kürzlich mit den Juden zusammengesessen, die Jörg Haider nach Kärnten eingeladen hat.“ Er versichert, den Holocaust nicht gutzuheißen: „Muss man denn so was machen? Ich meine: Ganz unschuldig sind sie ja nicht, aber ein ganzes Volk gleich weg? Ich meine, es wurde ja auch nicht vorausgedacht und überlegt, was passiert, wenn es nicht funktionieren sollte. Was dann?“
Heute sei er „überzeugter Europäer, weil das den Krieg vermeidet“. Es sei ihm „einfach unverständlich“, wie man Krieg machen könne. Und der Zweite Weltkrieg wäre auch zu verhindern gewesen, wenn „die hohen Herren zusammengesessen wären“. Die Siegermächte des Ersten Weltkriegs hätten den Zweiten Weltkrieg ausgelöst, weil sie Deutschland zu hohen Reparationszahlungen verurteilt und so im Land eine Hungersnot ausgelöst hätten: „Ich habe den Hunger und die Arbeitslosigkeit als Kind gesehen. Wie Menschen Schuhbänder für eine Suppe verkauft haben. Ich gehöre einer Generation an, die unwissend und unschuldig hineingeraten ist.“ Seine Eltern seien selbst Opfer der Nazis geworden, die ihren Bauernhof beschlagnahmten. Sein Vater war Polizist, und der Sohn wurde ebenfalls bei der Polizei aufgenommen. Mit der gesamten Polizeidivision wurde er dann in die SS eingegliedert.

Vom Holocaust habe er erst in der englischen Gefangenschaft nach Kriegsende erfahren. Während des Kriegs habe er gar nichts bemerkt: „Ich bin bis zum Schluss überzeugt gewesen.“