Lach- und Schießgesellschaft

Eine wichtige Erkenntnis im Jahr 2004: Beim Bundesheer gibt es Soldaten.

Was aufzudecken war, war aufzudecken. Pflicht der Medien, Verpflichtung der Verpflichteten, Aufgabe der Nichtaufgebenden. Staatsbürger, sei achtsam wachsam!
Schussmannn, bleib bei deinem Leisten! Folgendermaßen leistete die eine Öffentlichkeit ihre Leistung an der anderen Öffentlichkeit: „Die brutalen Folterszenen aus Freistadt und Landeck sind leider nicht die einzigen Fehlleistungen beim österreichischen Bundesheer.“ (Schreibt „News“.) „Alle reden über den Folterskandal in Deutschland. Was wir erlebt haben, war das Gleiche.“ (Zitiert profil den Ex-Rekruten Thomas F.)

Belege des Unerhörten werden gelegt. Die Folterszenen in der Illustrierten: „Beleidigungen und Beschimpfungen, organisatorische Unzulänglichkeiten, Beschwerden von Soldatinnen, hygienische Mängel – all das gehört leider zum Alltag in Österreichs Kasernen.“ Ein Mann, ein Abort.

Der Folterskandal im Nachrichtenmagazin: „Schließlich werden die Männer einen gatschigen Abhang hinunter zu einem Hindernisparcours geführt. Rechts davon befindet sich ein Komposthaufen.“ Geruchsbelästigung braucht Gasmaskenpflicht. „Vor dem Gatter müssen sie sich auf den regennassen Boden legen.“ Unterlagefrei; die Daunentuchent hat auch frei.

Beim Bundesheer gibt es Soldaten. Wen das erschreckt, der hört hier auf zu lesen. Skandal bleibt schwierig zu orten. Die Aufregung regt sich über Notorisches auf. „Menschenwürde mit Füßen getreten“ („Krone“). Ja, sicher. Militär ist die Aufhebung jener Menschenwürde, die die Menschen im zivilen Leben verdienen würden. Ein Heer funktioniert durch Befehlsgehorchung. Den Befehlen gehorcht nämlich nachfragelos, wem befohlen worden ist, seine Würde in einen Spind zu sperren (wo meist schon eine entkleidete Frauenwürde als Papierbild wartet).
Wer von Pflegehinweisen zur richtigen Behandlung der Rekruten spricht, macht sich lächerlich. Schonwaschgang, Schleudern nur bei niedrigen Touren. Waschanleitung des Verteidigungsministeriums: „Grundsätzlich ist vorgesehen, alle Truppen auf die Gefahr von Geiselnahmen und Kriegsgefangenschaft vorzubereiten, Grundwehrdiener sollen in diesem Punkt aber nur theoretisch unterwiesen werden.“ Säcke zur Sichtnahme bei nur theoretischer Geiselnehmung sollen aus Kaschmirwolle sein. Zum Fesseln der Armgelenke sind rosa Plüschhandschellen von Beate Uhse anzuwenden. Ausbildner haben Bitte, Danke und Verzeihung zu sagen.

Bei der Ausbildung von österreichischen Soldaten gab es „angedeutete Schein-Erschießungen“. Da wird eine anscheinende Tötung also zur scheinbaren; was freilich keinen Unterschied macht, weil das Konditionale ja ohnehin in der Andeutung hängen bleibt. Herr Platter, der Verteidigungsminister, „muss wegen angedeuteter Schein-Erschießungen rasch reinen Tisch schaffen – sonst bleibt er auf Dauer angepatzt“ („Die Presse“).

Herr Fasslabend, auch Verteidigungsminister, verbot schon 1995, Rekruten „entehrend zu behandeln“. Soldatenehre. Den Feind niedermähen, aber nicht beschimpfen.

Die Zivilbevölkerung durch Flächenbombardierung demoralisieren, aber den Feindeskindern Schokolade schenken. Im Fronteinsatz wird auch die Körperpflege groß geschrieben.

Krieg ist die endgültige Aufhebung des zuvor schon entwürdigten Soldaten. Schusswaffen durchschießen würdebefreite Soldatenkörper. Bomben nehmen den „mit Füßen Getretenen“ das Leben. Panzer rollt nicht über Blumenwiese. Kampfpilot ist kein Charterflugkapitän.

Die „Krone“ kommentiert: „Es ist unbedingt erforderlich, getrennte Ausbildungsprogramme für Präsenzdiener und Berufssoldaten auszuarbeiten.“ Ist nicht mehr erforderlich. Waschanleitung des Verteidigungsministeriums sieht schon Schonprogramm vor: Grundwehrdiener sollen bezüglich „Gefahr von Geiselnahmen und Kriegsgefangenschaft“ ja „nur theoretisch unterwiesen werden“.

Die Gefahr, in diesen Gefahren mehr als nur theoretisch unterwiesen zu werden, ist keinesfall gering zu schätzen. Ein bekannter Psychiater darf im ORF sinngemäß folgenden Unsinn sagen: „Die Betroffenen konnten Übung und Realität nicht mehr unterscheiden. Sie wussten nicht, ob sie wirklich Geiseln sind. Es gibt Spätfolgen wie bei Kriegstraumata.“ (Arme Skandalopfer; verarmte Psychiatrie.)

Richtig ist: Allgemeine Wehrpflicht führt zu Entwürdigung von Wehrpflichtigen, weil Entwürdigung der Grundsatz von Soldatenausbildung ist. Richtig ist: Wer nicht Unwillige entwürdigen will, muss auf die allgemeine Wehrpflicht verzichten. Richtig ist: In einem Berufsheer werden nur Freiwillige entwürdigt.

Wer die Würde der jungen Männer wahren will, muss ein Berufsheer fordern. Braucht Österreich ein Berufsheer? So gesehen braucht Österreich natürlich ein Berufsheer.