Lofts: Wohnen ohne Wände

Die Nachfrage nach Loftwohnungen steigt beständig. In Wien entstehen zurzeit zahlreiche entsprechende Wohnobjekte.

Die traditionelle Vorstellung von Loftwohnungen sei vielfach nicht mehr mit reellen Gegebenheiten kompatibel, meint Nicole Ziegler, Sprecherin des Wiener Bauunternehmens Mischek. „Leider wird das Thema Loft oft ausschließlich mit alten Fabrikshallen assoziiert“, sagt Ziegler. „Doch das ist eine beengte Sichtweise.“ Denn immerhin stehe ein vergleichsweise geringes Angebot geeigneter Räumlichkeiten einer ständig wachsenden Nachfrage gegenüber. Wie auch zahlreiche andere Bauträger setzt Mischek deshalb den Wunsch vieler Wohnungssuchenden nach offenen und flexiblen Wohnkonzepten im Rahmen verschiedener neuer Bauprojekte um.

„Im Mischek-Coop-Himmelb(l)au-Tower am Wienerberg entscheiden sich rund 25 bis 30 Prozent der Wohnungsinteressenten für die Loftvariante“, berichtet Ziegler. „Der Rest zieht Raumeinteilungen oder individuelle Trennelemente wie die räumliche Trennung des Schlafbereiches vor.“ Die geförderten Lofts dieses Objekts mit 122 Quadratmeter Wohnfläche und einer 20 Quadratmeter großen Loggia im 19. Stock kosten rund 266.000 Euro. Die ersten Loftbesitzer sollen bereits vor dem Sommer einziehen.

Neubaulofts. Ein zweites Loftprojekt realisiert Mischek Am Hundsturm im 5. Wiener Bezirk. Gegenüber dem Margaretener Postamt entsteht der Neubau „Raumgefühl“. Nach Plänen des Architekturbüros Artec werden 29 geförderte Eigentum-Loftwohnungen mit einer Größe zwischen 65 und 170 Quadratmeter errichtet – ein- und zweistöckig, mit Garten, Terrasse oder Loggia.

Bettina Götz und Richard Mahnal, die das Architekturbüro Artec gegründet haben, werden nach Fertigstellung im Sommer selbst mit ihren vier Mitarbeitern ein Loft mit 170 Quadratmetern im ersten Obergeschoß beziehen. „Daran angeschlossen ist ein Althaus im Hof mit eigenem Zugang und zweigeschoßiger Glasfassade zur Straße“, so Götz. Dieses so genannte Althaus ist „das ehemalige Hotel Einhorn, ein sanierungsbedürftiges Baujuwel aus der Biedermeierzeit“, berichtet Mahnal. „Durch Deckenteile, die nicht mehr in Ordnung waren und die wir herausnehmen mussten, sind dort teils Raumhöhen von bis zu acht Meter entstanden“, so Mahnal.

„Die Wohnungen Am Hundsturm werden ohne Innenwände geplant und verkauft. Nur die Nassräume sind fix geplant“, erläutert Götz. Ein 79 Quadratmeter großer Loft mit Loggia kostet 117.267 Euro. Zwei Drittel der Lofts Am Hundsturm sind bereits reserviert oder schon verkauft.

Fabriksflair. „Ein Loft ist eine Wohnform, welche die Leute in gewisser Weise herausfordert, wobei manche sich überfordert fühlen und dann zu einer klassischen Wohnung greifen“, formuliert Susanne Reppé, Projektentwicklerin und Marketingleiterin des gemeinnützigen Bauträgers Gewog-Neue Heimat. Im vergangenen Sommer stellte Gewog-Neue Heimat ein Bauprojekt mit Lofträumen in der ehemaligen Nähmaschinenfabrik Rast & Gasser in der Rosensteingasse im 17. Wiener Bezirk fertig. Zurzeit errichtet das Unternehmen weitere Lofts in einem denkmalgeschützten Fabriksteil in der früheren Czapp-Schokoladefabrik in der Heigerleinstraße gegenüber dem Ottakringer Kongress-Bad.

Künstler-Quartier. Die geförderten Mietwohnungen mit Kaufoption sollen ab Anfang 2005 beziehbar sein, die Kosten belaufen sich auf rund 400 Euro pro Quadratmeter (einmaliger Grund- und Baukostenanteil), die durchschnittlichen Mietkosten liegen bei rund sechs Euro brutto pro Quadratmeter.

Die Loftidee wurde ursprünglich in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts geboren, als Künstler leer stehende Fabriks- und Lagerhallen als günstige und innovative Wohnform entdeckten. Einer der berühmtesten Loftbesitzer war Andy Warhol mit seiner „Factory“ in der 47. Straße in Manhattan. „Bedauerlicherweise kennt diese Ursprünge kaum noch jemand“, meint Alexander Viborny, Mitarbeiter der Hable&Hable Unternehmensgruppe, die in der Wenhartgasse im 21. Bezirk im Rahmen des Projekts „greenfactoy 7“ 28 neue ein- und zweigeschoßige Lofteinheiten zwischen 60 und 400 Quadratmeter auf den Markt bringen will. Die Ähnlichkeit des Projektnamens zu Warhols Loft ist durchaus beabsichtigt.

Im Vordergrund sollte bei Lofts möglichst große Flexibilität stehen, und die Räumlichkeiten sollen veränderten Lebensumständen stets rasch angepasst werden können – ob es sich dabei um die Ansprüche von Singles, Paaren oder einer größeren Familie handelt.

Loftpuristen. „Es gibt drei Typen von Loftinteressierten“, konstatiert Viborny. Zum einen gebe es wahre „Loftpuristen“, die diese Konstruktionsform um ihrer selbst willen wählten – was allerdings vergleichsweise selten sei. Die zweite Gruppe bestünde aus Personen, welche die Raumaufteilung etwa durch flexible Raumteiler ihren jeweiligen Bedürfnissen anpassen. Eine dritte Gruppe würde jetzt noch die Offenheit des Lofts genießen, aber eine etwaige Änderung ihrer Lebensumstände gleich in Loftkauf-Überlegungen miteinbeziehen. Die meisten Interessenten würden sich dabei für eine Größe zwischen 100 und 120 Quadratmeter entscheiden.

Die Kosten für die „Basic-Loft-Variante“, bei der die Außenhülle fertig und Wasser- sowie Stromanschlüsse hergestellt sind, liegen zwischen 80.000 und 240.000 Euro. Ein Gartenloft mit knapp 80 Quadratmetern, einer 13 Quadratmeter großen Terrasse und einem 58 Quadratmeter großen Garten kommt auf knapp 150.000 Euro.