Ludovic de Danne: „Ausgezeichnete
Arbeitsbeziehungen mit Strache“

Ludovic de Danne, außenpolitischer Sprecher der französischen Partei Front National, über die Zusammenarbeit mit der FPÖ und anderen rechten EU-Gegnern.

profil: Warum strebt Front National eine gemeinsame Fraktion mit anderen rechten Parteien an?
Ludovic de Danne: Die von Marine Le Pen durchgeführten Reformen in der Partei haben auch dazu geführt, dass wir uns von einigen Gruppierungen getrennt und den Dialog mit neuen begonnen haben, auch weil diese die Fortschritte unter Marine Le Pen bemerkt haben.Die Gespräche in der Europäischen Allianz für Freiheit könnten nach den Europawahlen zur Gründung einer eigenen politischen Fraktion der patriotischen Parteien in Europa führen.

profil: Mit welchen Gruppierungen haben Sie den Kontakt abgebrochen?
de Danne: Frau Le Pen hat sich von solchen Bewegungen verabschiedet, die mit ihrer Vision von Politik nichts zu tun haben. Dazu gehört die British National Party oder Jobbik in Ungarn. Die rechtsextremen Parteien sind alle in der Partei Europäische Allianz nationaler Bewegungen, wo auch der frühere FN-Chef Jean-Marie Le Pen mit Bruno Gollnisch saß. Marine Le Pen hat sich aus dieser Partei zurückgezogen, auf ihr Ersuchen taten dies jetzt auch ihr Vater und Gollnisch. Das gehört zur neuen Orientierung des FN.

profil: Mit der FPÖ gibt es gute Kontakte?
de Danne: Wir sind mit den Zielsetzungen der FPÖ solidarisch trotz einiger kleiner Differenzen. Marine Le Pen unterhält mit Heinz-Christian Strache ausgezeichnete Arbeitsbeziehungen.

profil: Welche Differenzen?
de Danne: Zum Beispiel bei der Atomenergie, wo wir auf Kernfusion setzen. Aber unterschiedliche Meinungen sind normal, solange man bei den wirklich wichtigen Themen einer Meinung ist, also beim Föderalismus oder bei der Ablehnung der massiven Zuwanderung, bei den Gefahren einer Vergemeinschaftung von politischen Bereichen oder beim radikalen Islamismus, der Frage eines EU-Beitritts der Türkei bis zur Neuverhandlung der Globalisierung.

profil: Soll Frankreich raus aus dem Euro oder gleich die EU verlassen?
de Danne: Zur gemeinsamen Währung haben wir eine Position, die inzwischen von vielen Ökonomen, darunter einige Nobelpreisträger, geteilt wird. Wir sind für einen Austritt aus dem Euro nach einer Volksabstimmung. Als Alternative wird auch eine Teilung der Währungszone in einen Nord- oder Südeuro diskutiert. Wenn Verhandlungen mit der EU-Kommission über eine umfassende strukturelle Änderung der EU-Verträge keine Erfolge brächten, würde Marine Le Pen notfalls auch ein Referendum über einen Austritt aus der EU abhalten.

profil: Der britische Vorsitzende der Unabhängigkeitspartei UKIP, Nigel Farage, hat eine Kooperation mit dem Front National ausgeschlossen.
de Danne: Frau Le Pen und Herr Farage kennen und respektieren sich. Aber Farage hat offenbar Angst, dass Kontakte zur Front National ihn im eigenen Land noch mehr verteufeln würden. Andere nationale Bewegungen haben diese Angst längst abgelegt. Man kann nicht immer einer anderen Partei vorwerfen, extremer zu sein, als man es selbst ist. Geert Wilders hat das begriffen.