Marcus Franz: Ärztekammerpräsident Szekeres fordert Entschuldigung

Äußerungen über Homosexualität sind „empörend und inakzeptabel”: Nach einem profil-Interview mit dem Nationalratsabgeordneten Marcus Franz (Team Stronach) fordert Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres eine Zurücknahme und öffentliche Entschuldigung von Franz.

In einem offenen Brief verurteilt der Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres scharf die im aktuellen profil getätigten Aussagen des Arztes und Nationalratsabgeordneten Marcus Franz zu Genese von Armut, Kinderlosigkeit und Verhütung, vor allem aber dessen Meinung, wonach Homosexualität als "amoralische genetische Anomalie" zu gelten habe. Szekeres fordert Franz auf, diese Aussagen zurückzuziehen und sich öffentlich dafür zu entschuldigen.

+++ Marcus Franz, Primararzt und Politiker im Team Stronach, über das Amoralische an Kinderlosigkeit, Demonstrationsverbot für Schwule in der Innenstadt und den Altersstarrsinn von Frank Stronach. +++

Nachstehend der offene Brief im vollen Wortlaut:

"Sehr geehrter Herr Kollege Franz,

mit großem Befremden, ja Bestürzung, habe ich Ihr Interview in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift 'profil' gelesen. Ihre Einstellung zur Genese von Armut und der Funktion von Steuern sind Meinungen, die ich weder teile noch kommentiere. Ihre Mutmaßungen und Festhaltungen zu Kinderlosigkeit und Verhütung entsprechen nicht wissenschaftlichen Kriterien.

Empörend und inakzeptabel ist aber Ihr Statement zur Homosexualität. Homosexualität als 'amoralische genetische Anomalie' zu bezeichnen, ist kommentarlos nicht hinzunehmen. Übersetzt hieße dies, dass Homosexualität für Sie eine angeborene Krankheit sei, noch dazu außerhalb jeglicher moralischer Kategorie.

Diese Aussage ist auf das Schärfste zurückzuweisen. Als Wissenschafter, Mediziner und Repräsentant der Ärztekammer fordere ich Sie auf, dieses Statement öffentlich zurückzunehmen. Ihre Aussagen wiegen umso schwerer, als Sie nunmehr nicht nur als Arzt, sondern auch als Abgeordneter zum Nationalrat eine besondere Verantwortung tragen. Ich ersuche Sie, in Ruhe zu reflektieren, was Sie formuliert haben, und sich öffentlich zu entschuldigen. Solche Aussagen dürfen in demokratischen Kulturen nicht unwidersprochen bleiben.

Hochachtungsvoll,
ao.Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres,
Präsident der Ärztekammer für Wien"

(APA/Red)