Martin Schwab: „Allein ins Grab möchte ich nicht“

Burg-Star Martin Schwab über Bestattungstraditionen, Sprechtechniken und die Verdrängung des Todes.

Interview: Karin Cerny

profil: Seit wann sind Sie Ehrenmitglied des Burgtheaters?
Schwab: Ich glaube, das geschah im letzten Jahr der Intendanz Klaus Bachlers. Ich wurde gemeinsam mit Gert Voss vorgeschlagen. Die Direktion fragte, ob ich etwas dagegen hätte, Ehrenmitglied zu werden. Dann wurde der Amtsweg eingehalten. Wenn man als Ausländer gewählt wird, muss wahrscheinlich erst das Strafregister geprüft werden, damit sie keinen Verbrecher ehren.

profil: Ist die Debatte um Deutsche am Burgtheater, die unter Peymann sehr polemisch geführt wurde, überhaupt noch ein Thema?
Schwab: Ich bin ja selber ein Piefke, wurde allerdings jenseits der Weißwurst-Linie in Baden-Württemberg geboren. Und mich stört es wahnsinnig, wenn im Theater flapsige deutsche Floskeln verwendet werden. Ich finde, man sollte anständiges Hochdeutsch sprechen. Gerade bei jüngeren Schauspielern hapert es oft mit der Sprechtechnik.

profil: Die Ehrenmitglieder werden auf der Feststiege der Burg aufgebahrt. Finden Sie das noch zeitgemäß?
Schwab: Traditionen sind doch etwas Wunderbares! Wenn man das Burgtheater erwähnt, erblassen die Leute noch immer vor Ehrfurcht – als wäre man Priester im Vatikan. Dabei muss man als Burg-Schauspieler doch unentwegt Grenzen sprengen und das Moderne unterstützen. Es geht darum, die Tradition zu ehren, aber gleichzeitig der Verpflichtung nachzugehen, nicht auf den Publikumsgeschmack oder diffuse Quoten zu schielen.

profil: Ist es nicht unangenehm, an seinen eigenen Tod erinnert zu werden? Schließlich muss man zu Lebzeiten festlegen, ob man dieses Beerdigungsritual mitmachen möchte.
Schwab: Viele Leute glauben ja, man habe finanzielle Vorteile oder eine Extra-Pension durch die Ehrenmitgliedschaft. Früher hat einem der Kaiser vielleicht eine Kutsche geschenkt. Aber wir bekommen keinen Euro. Und das Begräbnis ist in der Tat eine zweischneidige Sache. Ich fühle mich nicht alt genug, um zu entscheiden, wo ich begraben sein möchte. Man verdrängt den Tod doch! Aber eines weiß ich: Allein ins Grab möchte ich nicht.

profil: Warum das?
Schwab: Wenn man ein Leben lang mit einem Partner glücklich verbracht hat, dann geht es doch nicht, dass ich in ein Ehrengrab komme – und meine Frau wird in eine andere Ecke des Friedhofs verbannt. Wir wollen doch zusammen liegen.