maschek. lässt die Puppen wieder tanzen:
Diesmal ist die Kulttruppe "Beim Faymann"

Die Komikertruppe maschek. lässt die Puppen wieder tanzen. Diesmal sind das Kabinett Faymann und der Papst dran. Ein exklusiver Probenbericht und das erste Interview zum neuen Programm. Warum der Kanzler keine Kontur hat und H.C. Strache keine Puppe bekommt.

Au, Backe! Laura Rudas hat ihre Wange verloren. Und weit und breit kein Puppendoktor. „Machts was!“, urgiert Regisseur und Rabenhof-Direktor Thomas Gratzer leicht verzweifelt, „sonst schaut unsere Laura bald aus wie die Russwurm.“ Probenhektik zwei Wochen vor der Premiere des „Kasperls“, wie das Komikertrio maschek. das zum Publikumshit avancierte Polit-Puppentheater salopp nennt. Rund 27.000 Menschen haben die schräge Regierungssoap, die 2006 mit „Bei Schüssels“ ihren Anfang nahm und mit der Fortsetzung „Beim Gusenbauer“ zum Kult geriet, inzwischen im Gemeindebau-Theater im dritten Wiener Bezirk gesehen, „Bei Faymann“ tanzen die Puppen ab 15. September.

Ulrich Salamun, der der Junghoffnung der SPÖ die Stimme leiht, plagt sich noch mit der richtigen R-Nuance. Peter Hörmanseder hat seine Maria Fekter inzwischen schon intus. „Das Gekreische und Gezeter ist ziemlich leicht, außerdem bin ich auch Oberösterreicher.“ Der Karikaturist Gerhard Haderer und die neue Puppenbauerin Brigitte Schneider scheinen sich bei der Innenministerin besondere Mühe gegeben zu haben: Unter der Frauenpower-Kampfmontur trägt die Fekter sogar Strapse. Ihren großen dramaturgischen Moment hat sie bei der ­aktuellen Show, wenn Nicolas Sarkozy bei ihr vorstellig wird, um sich Ezzes für die Ins­tallation eines Medienmonopols „à la Autrichienne“ zu holen. Der französische Staatspräsident ist neu im Protagonistenteam, ebenso wie der Papst, Werner Faymann, ­Josef und Erwin Pröll, Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad, Heinz Fischer, Laura Rudas, Maria Fekter, Flüchtlingshelferin Ute Bock und ein Hund namens Cato, der ein Krönchen am Halsband trägt. Sorgenkind unter den Puppen ist noch Pröll ­senior, dessen Kopfplatte zu klein geraten scheint; auch an der Frisur des Bundespräsidenten muss noch gearbeitet werden. „Die ist noch mehr Wiedehopf statt Staatsmann“, kommentiert Gratzer, auf dessen Konto die Idee geht, das Stimmimitationstalent von maschek. mit dem Alt-Wiener Kasperltheater zu kombinieren: „Der Kasperl war ja ursprünglich für die Erwachsenen gedacht; erst die Nazis haben diese Form des Puppentheaters auf die Kinderschiene gesetzt.“ Im Gegensatz zum anderen Erfolgsprodukt der Truppe maschek.redet.drüber, wo das Trio filmisches Fundmaterial vom Papst-Besuch in Österreich bis zu einer Kirschen-Deligation bei Heinz Fischer live synchronisiert, basiert der „Kasperl“ auf einem von Hörmanseder verfassten Skript, das ihn bei dieser Regierung besonders gefordert hat: „Der Faymann ist ja leider so fad und konturlos; die ganze Regierung ein gesichtsloser Haufen Mittelmaß – ich vermisse den Gusi.“ Auf dem Probenplan steht jetzt eine Begegnung zwischen Rudas und Faymann.

In Papageienmanier quasselt Fräulein Rudas ihrem Chef alles nach – bis zu „Laura ist deppert“. Am Ende der Szene knallen beide ihren Kopf wiederholt an einen Schreibtisch, der in der Redaktion der „Kronen Zeitung“ steht. Auftritt Papst Benedikt (mit roten Prada-Schlüpfern), der dem auf seinem Schreibtisch von Schweinsstelzen träumenden Josef Pröll erscheint, um ihm ein paar Aktien anzudrehen: „Du Willensschwächling, das ist kein wertloses Risikopapier, sondern ein risikoloses Wertpapier.“ „Der Papst bräuchte jetzt viel Trockeneis“, schreit Thomas Gratzer, „und jetzt Auftritt Christian Konrad!“

Foto: Peter M. Mayr