Medizininformatik: Greifen per Gedankenkraft

Der Grazer Medizininformatiker Gert Pfurtscheller demonstrierte weltweit erstmals die Bewegung einer gelähmten Hand per Gedankenkraft.

Thomas ist seit einem Badeunfall im Jahr 1998 durch einen Bruch des fünften Halswirbels fast vollständig gelähmt. Nur den linken Arm kann er noch heben und senken. Darüber hinaus sind beide Hände funktionsunfähig. Seit kurzem bewegt der 27-Jährige die Finger seiner linken Hand mit Gedankenkraft. Zu diesem Zweck überträgt der Grazer Medizininformatiker Gert Pfurtscheller Gehirnströme aus dem motorischen Zentrum seines Patienten über Elektroden, die auf einer Art Badehaube montiert sind, an einen Computer. Thomas muss sich vorstellen, wie er seine Füße bewegt. In einem vielmonatigen Trainingsprozess hat er gelernt, die richtigen Gedanken zu fassen. Jetzt versteht der Computer das Signal. Verstärkte Stromimpulse schießen in Thomas’ linken Unterarm, die Muskeln der linke Hand reagieren. Die Finger schließen sich um ein Glas. Thomas führt es zum Mund, trinkt, stellt das Glas wieder ab. Pfurtscheller, Projektleiter am Institut für Elektro- und biomedizinische Technik an der TU Graz, ist zufrieden. „Wir haben weltweit erstmals zeigen können, dass mit Gedankenkraft und Elektrostimulation Lähmungen beim Menschen überwunden werden können. Das gibt Hoffnung für weitere Forschungen.“ Im Alltag kann Thomas auf die Elektroden verzichten. Biotechniker der Uni Heidelberg haben für ihn ein Schalterkissen am Rollstuhl eingebaut. Zum Ein- und Ausschalten der Greiffunktion braucht er seine gelähmte rechte Hand bloß auf dieses Kissen fallen zu lassen.