"Milliardär" Al Jaber: Warum zahlt er die Rechnungen nicht?

Der saudisch-österreichische Geschäftsmann Mohamed Bin Issa Al Jaber hat eine schlechte Angewohnheit: Obwohl sein Vermögen auf mehrere Milliarden Euro geschätzt wird, bezahlt er seine Rechnungen nur sehr selektiv.

Das Wiener Büro von Mohamed Bin Issa Al Jaber sieht deutlich weniger feudal aus, als man das von einem Milliardär erwarten würde. Zweckmäßige Büromöbel, ein paar Fotos an den Wänden, ein Besprechungstisch. Recht viel mehr erwartet den Besucher im sechsten Stock oberhalb der Ringstraßen-Galerien in der Innenstadt nicht. Immerhin – wer einmal einen der äußerst raren Interviewtermine mit dem saudischen Hotelier erhält, wird auf die Minute genau pünktlich empfangen. Ein seltenes Vergnügen im Umgang mit Al Jaber.

Das Verschieben und Vertrösten gehört nämlich zur Unternehmenskultur in Al Jabers Konzern MBI International. In Österreich ist zumindest kaum ein Projekt des Investors bekannt, das nicht von Misstönen begleitet war. Al Jaber hat es sich in den vergangenen Jahren zur Gewohnheit werden lassen, seine Investitionszusagen nicht einzuhalten. Im Interview mit profil stellt der Unternehmer mit österreichischer Staatsbürgerschaft sich erstmals Fragen zu seiner Solvenz. Plausible Erklärungen, warum ein vorgeblicher Milliardär selbst geringe Summen nicht mehr aufbringen kann oder will, bleibt er allerdings schuldig.

Fremdbild und Selbstbild dürften bei Al Jaber, der in Österreich unter anderem die Hotels Grand Hotel und The Ring betreibt, in einem Missverhältnis stehen. „Heutzutage versuchen alle Finanzinstitute, sich aus ihren Finanzierungszusagen herauszuschleichen“, sagt Al Jaber aufgebracht und ohne die Ironie seiner Worte zu bemerken. Schließlich ist es in erster Linie er selbst, der seine Zusagen nur bedingt einhält. Dies bekam zuletzt der traditionsreiche Tiroler Skihersteller Kneissl zu spüren. Das Unternehmen, an dem Al Jaber sich im Jahr 2008 beteiligt hatte, schlitterte vor wenigen Wochen in die Insolvenz. Hochtrabende Expansionspläne mit Kneissl-Hotels und Kneissl-Boutiquen wurden angekündigt, scheiterten aber an der mangelnden Kapitalausstattung und an Zwistigkeiten zwischen Al Jaber und dem Minderheitsgesellschafter. Die Möglichkeit, diesen über eine bereits beschlossene und vertraglich zugesicherte Kapitalerhöhung loszuwerden, ließ Al Jaber verstreichen.

Bei der bloßen Ankündigung beließ es Al Jaber auch bei seinem Hotelprojekt am Wiener Schwarzenbergplatz. Dort sollte ein Hotel entstehen, wie es die Welt noch nicht gesehen hat, jenseits aller Sternekategorien. Es wird wohl eher ein Hotel, das die Welt nie sehen wird. Nach profil vorliegenden Informationen hat der Pächter der Immobilie, eine Projektgesellschaft der Volksbanken-Tochter Immoconsult, den Vertrag mit Al Jaber aufgekündigt. Bereits am 4. April ist die Wiener Rechtsanwaltskanzlei Binder Grösswang im Namen der Projektgesellschaft IC Ares von allen Vereinbarungen mit Al Jabers „JJW Hotel im Palais Schwarzenberg BetriebsgesmbH“ zurückgetreten. Al Jabers Gesellschaft hat diese Kündigung zwar „mangels guter Gründe“ zurückgewiesen. Es gibt aber einen ziemlich guten Grund: Al Jaber hat bis heute nicht die angekündigten 20 Millionen Euro, die zum Start des Bauvorhabens notwendig wären, einbezahlt. Seit zwei Jahren vertrösten er oder seine Mitarbeiter die Partner mit schönen Worten und Absichtserklärungen.

Zahltag.
Im Februar keimte noch Hoffnung unter den Gläubigern und Projektpartnern auf, als ihnen ein Schreiben der Genfer Filiale der Privatbank RBS Coutts vorgelegt wurde. Darin heißt es: „We hereby confirm, that we will transfer on behalf of our client Sheikh Mohamed Bin Issa Al Jaber the amount of EUR 35.000.000 (thirty five million Euros) … on or before 31 March 2011.“ Das Geld dürfte nicht gekommen sein. „Die Chance, das Projekt gemeinsam mit der JJW-Gruppe zu Ende zu bringen, ist mittlerweile sehr unwahrscheinlich“, heißt es auf Anfrage aus der Volksbanken-Gruppe.

Nicht nur die Partner im Projekt Schwarzenberg warten bis heute vergeblich auf die Millionenüberweisung. Als Verwendungszweck im ­Schreiben von RBS Coutts sind 20 Millionen Euro als zusätzliches Kapital für das Hotel Schwarzenberg und 5,6 Millionen Euro für den Erwerb der Anteile des Minderheitengesellschafters am Hotel The Ring angeführt. An der Hotelbetriebsgesellschaft hält der Immobilienfonds R-Quadrat Capital Alpha 25,1 Prozent. Im September des Vorjahrs hat der Fonds eine Verkaufsoption geltend gemacht, wonach Al Jabers Unternehmen die Anteile um 5,6 Millionen Euro übernehmen müsse. Die vertraglich fixierte Frist von drei Wochen zur Überweisung der Summe ließ Al Jaber ebenso verstreichen wie alle folgenden Mahnungen. Dabei hatte er noch am 18. Februar persönlich die Überweisung bis 31. März in einem Brief versichert. „I irrevocably guarantee, that I will not revoke the order given to RBS Coutts Bank Ltd to transfer the amount of EUR 35.000.000 on or before 31st of March 2011“, hieß es damals. Die Bank Austria ließ sich übrigens kürzlich ein Pfandrecht in Höhe von einer Million Euro auf die Immobilie des Hotels The Ring am Kärntner Ring Nummer 8 ins Grundbuch eintragen.

Forderungen.
Auch beim Projekt Palais Schwarzenberg ist R-Quadrat investiert, kann ab 1. Juni aber aussteigen. Zieht der Fonds die Verkaufsoption, muss Al Jaber 6,5 Millionen Euro an R-Quadrat überweisen. Dies wird mit Sicherheit auch geschehen, die R-Quadrat-Gruppe ist insolvent. Der Ausstieg der Volksbanken-Tochter Immoconsult kommt noch deutlich teurer. Diese will nach profil-Recherchen Vorleistungen und Investitionen in Höhe von 16 Millionen Euro geltend machen.

Wenn jemand seine Rechnungen nicht zahlt, gibt es dafür in der Regel nur einen Grund: Er hat kein Geld. Bei Mohamed Bin Issa Al Jaber ist das angeblich aber eben nicht so. Das US-Magazin „Forbes“ nennt Al Jaber seit Jahren regelmäßig sogar unter den „World’s Billionaires“. In der aktuellen Reichenliste taxiert „Forbes“ den Unternehmer auf ein Vermögen von sieben ­Milliarden US-Dollar. Das ist zwar eine halbe Milliarde Dollar weniger als 2010, reicht aber immerhin noch für den 136. Platz unter den reichsten Menschen der Welt. Konkrete Anhaltspunkte, wie dieser Wert zustande kommt, liefern die Ersteller des Rankings allerdings nicht.

Al Jaber will die „Forbes“-Zahlen nicht bestätigen.
„Ich glaube, wir stehen sogar besser da“, sagt er. Er identifiziert sich allerdings offensichtlich damit. Auf der Homepage seiner Konzernholding MBI International ließ Al Jaber in den vergangenen drei Jahren sein jeweils aktuelles „Forbes“-Ranking prominent vermelden.

Abgesehen davon tut sich bei MBI offenbar nicht allzu viel: Im Jahr 2009 beschäftigten sich drei der vier Meldungen in der Rubrik „MBI News“ ausschließlich mit Al Jabers Einträgen in verschiedenen Reichenlisten.

Lesen Sie im profil 17/2011 ein Interview mit dem saudischen Investor Mohamed Bin Issa Al Jaber über Verbindlichkeiten bei den Banken, die Fertigstellung des Luxushotels Schwarzenberg und unangenehme Mitgesellschafter.