Mit Recht glücklich

Das Sorgerecht für homosexuelle Paare ist wissenschaftlich unumstritten. Die rechtliche Umsetzung scheitert an alten Vorurteilen.

Das Familienleben des jungen Paares hat die Politik längst überrundet. Seit sechs Jahren bereits ziehen in Wien zwei weibliche Pflegeeltern ein junges Mädchen auf. Das lesbische Paar sei durch eine Gesetzeslücke geschlüpft, erzählt die grüne Abgeordnete Ulrike Lunacek. „Das Landesgesetz verbietet die Pflegeelternschaft für homosexuelle Partner nicht ausdrücklich. Und das Jugendamt hat befunden, dass es dem Kind mit zwei Eltern besser geht als im Heim.“

Homosexuelle Partner mit Kindern sind gar nicht so selten. Gut 10.000 Buben und Mädchen leben in Österreich in so genannten „Regenbogen-Familien“ mit zwei gleichgeschlechtlichen Partnern, schätzt der Präsident des Homosexuellen-Rechtskomitees „Lambda“, Helmut Graupner. Der Großteil der Kinder stammt aus früheren heterosexuellen Beziehungen.

Ins öffentliche Bewusstsein ist die neue Vielfalt des Familienglücks noch nicht durchgedrungen. Während sich zunehmend auch ÖVP-Politiker für eine Gleichstellung erwärmen können, stoßen Adoptionen für Schwule und Lesben auf breite Ablehnung.

Selbst für aufgeschlossene Konservative bleibt das Sorgerecht ein rotes Tuch. „Der Unterschied zwischen den Geschlechtern kann sich bei Kindern in solchen Beziehungen nicht richtig ausprägen“, fürchtet Silvia Fuhrmann, Vorsitzende der Jungen ÖVP. Auch die SPÖ schiebt das Adoptionsrecht auf die lange Bank. Nur die Grünen treten für das Recht auf Stiefkindadoption sowie die Adoption fremder Kinder ein. Eine volle Angleichung gibt es heute nur in den USA und den Niederlanden. In Österreich hingegen werden die meisten Adoptivkinder an verheiratete Paare vergeben.

Die Bevölkerung ist ebenfalls gespalten. Zwar tritt eine Mehrheit der Österreicher für die rechtliche Gleichstellung ein, aber beim Adoptionsrecht kippt die Stimmung. 36 Prozent der Bevölkerung können sich mit der Vorstellung anfreunden, dass zwei Männer oder Frauen gemeinsam Kinder aufziehen. 54 Prozent lehnen dies ab.

Neben der befürchteten Aushöhlung der traditionellen Familie rüsten sich die Gegner einer Angleichung mit wissenschaftlich längst widerlegten Stereotypen. Laut internationalen Studien sind Kinder aus gleichgeschlechtlichen Familien nicht öfter homosexuell. Die psychische und sexuelle Entwicklung verläuft ebenso gut wie die ihrer Altersgenossen aus Vater-Mutter-Kind-Verbindungen, und bei Befragungen bezeichnen sie sich im Durchschnitt als ebenso glücklich. Auch zwischen Homosexualität und Pädophilie gibt es keinen Zusammenhang. Kinder, die mit zwei Vätern oder Müttern aufwachsen, werden seltener Opfer von Missbrauch.

„Wissenschaftlich spricht nichts gegen ein Adoptionsrecht für Homosexuelle“, resümiert Kinderpsychiater Ernst Berger. Das wahre Problem ortet er in der „Verankerung konservativer Familienbilder“. Selbst manche Kollegen würden heute noch das Recht der Kinder auf Vater und Mutter deklarieren, so Berger. „Wenn man an die vielen Alleinerzieher denkt, sieht man, wie inhaltsleer diese Formel ist.“

Ein Nachteil für „Regenbogen“-Kinder bleibt eine Umwelt voller Vorurteile. Hier ortet die einzige heimische Studie Probleme. „Die Kinder leiden nicht an der Homosexualität der Eltern, sondern an der gesellschaftlichen Stigmatisierung“, sagt Psychotherapeut Ernst Silbermayr.

Bestehende Diskriminierungen dürfen aber kein Argument gegen das Adoptionsrecht für Homosexuelle sein, betont Helmut Graupner: „Der Staat kann nicht Vorurteile, die er bekämpfen sollte, noch unterstützen, indem er vor ihnen klein beigibt.“