"Nach Rohschnitt denke ich an Selbstmord":
Roman Polanski im profil-Exklusivinterview

In einem Interview in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" erinnert sich Regisseur Roman Polanski - zur Neuaufnahme seines Musicals "Tanz der Vampire" auf Kurzbesuch in Wien - an seine Kindheit im Nazi-besetzten Krakau. Unter Lebensgefahr habe er sich damals in die Kinos geschlichen, die nur für Deutsche zugelassen waren. "Ich verknallte mich in eine Schauspielerin namens Marika Rökk. Ich war richtig verliebt! Da war ich ungefähr acht. Sie sah toll aus, wie eine Statue. Ich hatte fest vor, sie zu heiraten. Die Frage war nur, wie sie wohl reagiert hätte, wenn sie herausgefunden hätte, dass ich Jude war."

Er sehe, wenn er seine Filme betrachte, "nur die Fehler", so Polanski über sein Werk. An "Rosemarys Baby" (1968) erinnert er sich allerdings gern: Es war seine erste Arbeit in Hollywood. "Mir fiel das alles seltsam leicht: Da war diese gigantische Maschine, die ich aber zu bedienen wusste. Das US-Kino damals kam mir wie ein Rennwagen vor, den man nur jemandem anvertrauen musste, der Auto fahren konnte. Und ich konnte das."

Heute sei die US-Filmindustrie nicht mehr wie damals. "Eine andere Art von Menschen arbeitet heute in den Studios. Das sind keine Persönlichkeiten mehr, nur noch Beamte. Und jede Entscheidung wird von Komitees getroffen. Von kreativ kann da keine Rede mehr sein."

Nach seinen Dreharbeiten sei er grundsätzlich unglücklich: "Wenn ich den Rohschnitt eines meiner Filme sehe, denke ich zunächst an Selbstmord. Wenn ich mein Material in dieser frühen Phase sehe, bin ich nachher am Boden zerstört. Ich denke dann immer fieberhaft darüber nach, welche anderen Jobs ich mir noch suchen könnte."

Lesen Sie das Interview mit Roman Polanski im aktuellen profil 39/2009!