Nachruf: Sopranos-Star James Gandolfini ist tot

Die US-Fernsehserie "The Sopranos" lief zwar 2007 aus, trotzdem ist sie noch heute Kult. Und nicht zuletzt aufgrund des Hauptdarstellers James Gandolfini, der als zerrütteter Mafia-Boss Tony Soprano zur Legende wurde.

Ein Schnitt, ein schwarzes Bild, die leere Ungewissheit des nächsten Moments: So endete 2007 die Fernsehserie "The Sopranos" . Eben noch war die Familie des Mafia-Paten Tony Soprano zum Essen in einem typischen amerikanischen Diner zusammengekommen, und nun war plötzlich alles aus. Ohne großen Showdown, ohne Verhaftung, ohne Streit. Im nächsten Moment konnte alles und nichts passieren - wir werden es nie erfahren. Dieses Ende einer der bedeutendsten Fernsehserien in der Geschichte des Mediums wurde von der Kritik bejubelt und von den Fans bis in alle Einzelheiten analysiert.

Als die letzte Episode der Sopranos über die Bildschirme flimmerte, war die Serie längst Kult, und hatte erstmals angedeutet, dass Fernsehen in Zukunft eine ernstzunehmende Konkurrenz zum Kino werden würde. Für Kritiker und Zuseher zählt die Serie um die italo-amerikanische Mafiafamilie aus New Jersey auch heute noch zu den besten aller Zeiten. Auch profil erhob sie im großen Nullerjahre-Rückblick zur wichtigsten TV-Show des Jahrzehnts.

Der Erfolg der HBO-Serie war nicht zuletzt ihm geschuldet: James Gandolfini, der den Anti-Helden und Vorstadt-Paten Tony Soprano mimte.

Wie kein anderer verstand es Gandolfini, zwischen Macho-Gesten, Killer-Attitüden, Erektionsstörungen und Panikattacken hin und her zu schlittern und die Diskrepanzen in der Seele seiner Figur mit Tiefgang zu glätten. Kaum ein anderer hätte es wohl geschafft, einerseits einen skrupellosen Killer zu mimen, und andererseits einen Super-Softie, der schon mal Wildgänsen nachweint, die sich kurze Zeit in seinem Swimmingpool eingerichtet haben und es sich letztendlich doch anders überlegten.

Legendär sind insbesondere die Szenen, in denen sich Tony ungeniert und etwas unbeholfen an seine Psychiaterin Dr. Melfi heranmacht. Gandolfini lief stets zur Höchstform auf, wenn er als Tony seine angeknackste Seele dadurch kurieren wollte, endlich wieder seinen Mann zu stehen – und deshalb unbedingt seine Seelenklemptnerin von der Couch ins Bett zu kriegen. Nebst bei wurde dabei noch das ohnehin schon angeknackste männliche Rollenbild endgültig zertrümmert, das sich bis heute in Tony Soprano wie in keinem anderen personifiziert.

„Was wurde eigentlich aus Gary Cooper und dem amerikanischen Mann?“, wendet sich der zerrüttete Mafiosi etwa einmal verzweifelt an seine Therapeutin, nachdem im diese wieder einmal einen Korb gegeben hat, „der hatte doch auch schließlich keine Gefühle, sondern tat, was zu tun war.“ Seufzend zückt Dr. Melfi ihren Rezeptblock: „Viele amerikanische Männer fühlen so wie Sie.“

James Gandolfini schuf als Tony Soprano nicht nur eine unvergessliche Kultfigur. Er setzte auch neue Maßstäbe im TV-Serienreich.

Am 19. Juni starb der amerikanische Schauspieler mit italienischen Wurzeln überraschend in Rom an einem Herzinfarkt. Er wurde nur 51 Jahre alt. Genau so überraschend und plötzlich, wie Tony vor sechs Jahren von den Fernsehschirmen verschwand, schied auch sein Darsteller aus dem Leben. Zurück bleibt, wie damals, eine trauernde und erschütterte Fangemeinde.