Resul Ekrem Gönültas: „Der Sieg gehört mir“

Resul Ekrem Gönültas über seinen Wahlkampf, Milli Görüs und die SPÖ.

Interview: Rosemarie Schwaiger

profil: Sie haben sehr viele Vorzugsstimmen bekommen. Was sagen Sie zu dem Vorwurf, dass bei der Stimmabgabe manipuliert worden sei?
Resul Ekrem Gönültas: Das sind leere Vorwürfe, die nicht stimmen. Leute, die das behaupten, sind eifersüchtig auf meinen Erfolg. Ich bin seit Jahren im SPÖ-Wirtschaftsverband aktiv und habe einen sehr guten Zielgruppenwahlkampf gemacht. Ich war auf Facebook und habe viele Menschen darauf aufmerksam gemacht, dass sie wählen gehen können und sollen. Mir ging es darum, zu zeigen, dass Migranten ihr Wahlrecht nützen.

profil: Angeblich wurde sogar beim Freitagsgebet in den Moscheen dazu aufgerufen, Sie zu wählen.
Gönültas: Es gab keine Gebete für mich. Muslime treffen sich am Freitag in der Moschee. Vor und nach dem Gebet steht man beisammen und redet. Das ist ein guter Ort, um zu informieren. Ich bin mit Flyern am Ausgang gestanden und habe mit den Leuten gesprochen. Aber ich war auch bei Versammlungen der Aleviten und in Wettbüros.

profil: Es sind Fotos im Umlauf, die haufenweise Stimmzettel auf einem Tisch zeigen. Können Sie das erklären?
Gönültas: Nein, ich weiß nicht, wo diese Fotos herkommen. Sie beweisen nichts. Jeder kann ein paar Zettel auf den Tisch legen. Das kommt von Leuten, die lange behauptet haben, dass sie die politischen Vertreter der Muslime in Österreich seien. Die Wahl hat gezeigt, dass das nicht stimmt.

profil: Der Vertreter der Muslime sind Sie?
Gönültas: Ich bin das erste Mal bundesweit angetreten und habe sehr viele Stimmen bekommen. Andere versuchen es schon seit Jahren und haben nicht diesen Erfolg. Das ist auch der Grund, warum ich zu den Vorwürfen bisher nichts gesagt habe. Ich wollte nicht, dass andere von meinem Sieg profitieren. Der gehört mir und meinen Wählern.

profil: Sie sind im Wahlkampf durch Österreich getourt und haben Vorträge gehalten. Wer hat das bezahlt?
Gönültas: Ich habe einige Flyer in deutscher Sprache von der SPÖ bekommen. Den Rest habe ich selbst bezahlt.

profil: Für den Einzug in den Nationalrat hätten sie mehr als 88.000 Stimmen gebraucht. Dachten Sie, das wäre zu schaffen?
Gönültas: Ich habe es gehofft.

profil: Werden Sie es bei der nächsten Wahl wieder versuchen?
Gönültas: Das wird man sehen. Jetzt konzentriere ich mich auf die Wirtschaftskammerwahlen 2015.

profil: Sie sind Mitglied der Islamischen Föderation, die mit der sehr umstrittenen Milli-Görüs-Bewegung kooperiert. Wie eng ist diese Zusammenarbeit?
Gönültas: Die Islamische Föderation ist ein legitimer Verein mit sehr vielen Mitgliedern. Wie gut die Kontakte zu Milli Görüs sind, sollten Sie einen Funktionär fragen.
profil: Sie müssten das ja auch wissen.
Gönültas: Es ist immer besser, wenn Funktionäre solche Fragen beantworten.

profil: Wo stehen Sie selbst politisch und religiös?
Gönültas: Ich bin ein österreichischer Muslim mit Wurzeln in der Türkei. Kontakt zur SPÖ hatte ich schon als Kind – im Hort bei den Kinderfreunden. Und ich habe gesehen, dass die SPÖ die einzige Partei ist, in der ich als muslimischer Bürger offene Türen habe. Deshalb habe ich schon bei den Wiener Gemeinderatswahlen 2005 und 2010 kandidiert und der SPÖ viele Vorzugsstimmen gebracht.