„Nie Nepotismus“

Reiseleitung. Freitag, den 28. September, kam die Wiener Staatsoper von ihrem vierzehntägigen Asien-Gastspiel zurück: Schanghai, Seoul, Taipeh, Kaohsiung und Singapur hatten das Ensemble samt Dirigent Seiji Ozawa und Orchester mit konzertanten Aufführungen von Mozarts „Le nozze di Figaro“ bereist.

Eine interessante Strecke. Delikat: Neben Ioan Holender war auch dessen Gattin Angelika mit von der Partie. Als „Reiseleiterin“, wie es offiziell heißt. In einer profil übermittelten schriftlichen Stellungnahme hält der scheidende Staatsopern-direktor wörtlich fest: „Es ist nicht das erste Mal, dass eine auswärtige Hilfskraft dazu engagiert wurde. Die Bedingungen sind eine Pauschale vom Mindestlohn gemäß Kollektivvertrag für Angestellte der Bundestheater – 765 Euro brutto.“ Angelikas Aufenthalt und Flug in der Economy Class habe der Veranstalter bezahlt, „der sich meine Frau ausdrücklich gewünscht hat“. Die Optik ist dennoch verheerend. Einerseits hat Angelika Holender aus ihrer Tätigkeit vor Ort Anspruch auf eine – wenn auch bescheidene – Gage. Andererseits ist der „Veranstalter“, das Wiener Künstlersekretariat Buchmann, enger Geschäftspartner der Wiener Staatsoper.

Die Gast-Arbeit von Angelika Holender beschreibt Thomas Platzer, kaufmännischer Direktor des Opernhauses, so: „Tickets verteilen und Personen zählen – sicher kein Vergnügen.“ Und das, obwohl der Job laut offiziellem „Gastspiel-Reisebuch“ an verschiedenen Destinationen auf mehrere Personen – insgesamt sieben – aufgeteilt war. „Doch allein die Beschaffung der China- und Taiwan-Visa für das aus vielen Nationen
bestehende Ensemble bedurfte wochenlanger Vorbereitungsarbeit“, so Ioan Holender. Und weiter: „Seit 16 Jahren führe ich dieses Haus, und noch nie hat es auch nur den Schatten dessen, was Nepotismus zu nennen ist, gegeben.“