Das Kimperium schlägt zurück

Selten zeigte sich das Regime von Diktator Kim Jong-un so aggressiv wie in den vergangenen Tagen.

Zuletzt verkündete der nordkoreanische Generalstab, dass ein Nuklearkrieg gegen die USA „endgültig genehmigt“ wurde. Zusätzlich legte das Außenministerium in Nordkorea mehreren Ländern eine Evakuierung der Botschaften nahe. Kommt es tatsächlich zur militärischen Eskalation im Pazifik? profil analysiert, was dafür (+) und was dagegen (-) spricht:

+ Rhetorik
Die explizite Androhung eines Atomangriffs geht über alle ­bislang ausgesprochenen ­Drohungen hinaus.

+ Diplomatische Beziehungen
Nordkorea hat den „heißen Draht“, die wichtigste Kommunikationsverbindung mit Südkorea, gekappt und das Waffenstillstandsabkommen einseitig ­aufgekündigt.

– Wirtschaftsbeziehungen
Der gemeinsame, zehn Kilometer von der Grenze auf nordkoreanischem Gebiet betriebene Industriepark Kaesong galt bislang als Garant für den Frieden. Vergangene Woche sperrte die Regierung in Pjöngjang den Zugang für ­Arbeiter aus Südkorea. Trotz der Blockade wird nach Informa­tionen der Nachrichtenagentur Reuters in den Fabriken allerdings weiter gearbeitet. Eine völlige Schließung von Kaesong gilt ­angesichts der Interessen beider Seiten vorerst noch als wenig wahrscheinlich.

– Internationale Reaktionen
Prinzipiell hätten die Vereinten Nationen laut UN-Charta die Möglichkeit, in Nordkorea militärisch zu intervenieren. Trotz der angespannten Lage wurde das aber noch nicht einmal ansatzweise erwogen, die internationale Gemeinschaft hält sich auch ­sonst weitgehend zurück. Auch die nochmalige Verschärfung der erst kürzlich ausgeweiteten Sanktionen steht bislang nicht im Raum. Offenbar setzen die UN ­darauf, dass Nordkorea –
wie ­bisher immer – nach einer Phase der Eskalation wieder an den ­Verhandlungstisch zurückkehrt.

+/– Bilaterale Reaktionen
Ein klares Warnsignal haben die USA mit der Entsendung ­eines zusätzlichen Zerstörers und einer schwimmenden Radarstation ­sowie den Überflügen von Tarnkappenbombern in der Region gesetzt. Südkorea entsandte zwei Kriegsschiffe mit Raketenabwehrsystemen an die Ost- und Westküste und hat seine Armee angewiesen, auf jeden Angriff des Nordens „mit aller Härte“ zu reagieren und „politische Abwägungen ­außer Acht zu lassen“.

– Mobilisierung
Bereitet sich ein Land auf einen Krieg vor, nehmen die militärischen Bewegungen zu. Tatsächlich soll Pjöngjang am vergangenen Donnerstag zwei Raketen im Osten Nordkoreas stationiert ­haben, was bislang aber nicht ­bestätigt wurde. Viele Beobachter vermuten zudem, dass solche ­Raketen lediglich anlässlich der Feierlichkeiten zum Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-sung am 15. April abgeschossen ­werden würden. Eine veritable Kriegsplanung ist laut zahlreicher Experten nach wie vor nicht zu erkennen.