Notstand

Albert Fortell, moralisch gefestigter Charakterdarsteller und mit einem Sitz im ORF-Stiftungsrat belohnter ÖVP-Unterstützer, ist auf der Suche nach einem Engagement.

Fortell: Ich hab meine ganze Karriere in drittklassigen Seifenopern verbracht. Was willst mehr?
Schüssel: Bertl, i fürcht, i kann dir leider net helfen.
Fortell: Und die Barbara, ja? Die spielert dir eine Frauenministerin, da tätst fast glauben, sie wär echt eine.
Schüssel: So eine hab i scho.
Fortell: Und ich Sozialminister, ha? Mit Beihilfen und so kenn i mi schon aus.
Schüssel: Sozialminister is der Haupt.
Fortell: Eben! Ich hab da ja eh an eine Zweitbesetzung gedacht. Vielleicht könnt i meine Drehpausen immer dann nehmen, wenn er grad wieder auf der Unfallstation is. Dann brauchert i den Notstand net. Und von der Ministergage würd i behaupten, dass i sie spend.
Schüssel: Deine Verdienste um die Partei in allen Ehren, Bertl, aber ...
Fortell: Und warum hast die Innenminister-Rolle unbedingt so schnell nachbesetzen müssen? I weiß net, womit i den Kaviar zahlen soll, und du denkst keine Sekunde an mich.
Schüssel: Bertl, du bist ka Politiker, du bist Schauspieler!
Fortell: Des sind viele in deiner Regierung.
Schüssel: Aber wenigstens lauter gute.
Fortell: Der Morak?
Schüssel: Fast lauter gute.
Fortell: Dann gib mir halt den ORF-Generaldirektor.
Schüssel: Den castet der Pröll. Aber wart, da fallt mir vielleicht do no was ein ...
Fortell: Ich nehm alles!
Schüssel: Wie wär’s mit der Wiener ÖVP?
Fortell: Ich bleib im Notstand.