Oberst Redl: Spion aus Leidenschaft

Der glamouröseste Spitzelskandal des 20. Jahrhunderts wird erst jetzt endgültig geklärt: Österreichische Historiker fanden in Moskau Dokumente, die zeigen, wie brisant das von Oberst Redl an die Russen gelieferte Material wirklich war.

Schon am Tag nachdem man ihn bei Nacht und Nebel am Zentralfriedhof verscharrt hatte, versammelten sich dort aufgebrachte Wiener. „Der gehört auf einen Misthaufen und nicht in ein ehrliches Grab“, habe einer der Empörten gerufen, berichtete die „Kronen Zeitung“. Mehrmals wurde die Grabstätte verwüstet. Als die Affäre langsam in Vergessenheit geriet, setzte jemand einen Grabstein: Alfred Redl, 1864–1913.

Der Mann, dem die wütende Öffentlichkeit nicht einmal eine letzte Ruhestätte gönnte, hatte in der Tat Schlimmes begangen: Als einer der wichtigsten Offiziere Österreich-Ungarns, als ehemaliger Geheimdienstchef und späterer Generalstabschef des Prager Korps hatte Oberst Redl jahrelang militärische Geheimnisse an Russland verraten, den gefährlichsten Gegner der Doppelmonarchie.

Derartiger Geheimnisverrat musste sich am Vorabend des Weltkriegs verheerend für die davon betroffene Macht auswirken. Aber welches Material Redl seinen russischen Gewährsleuten tatsächlich geliefert hatte, wie umfassend seine Spionage für das Zarenreich war, wie entscheidend die von ihm weitergegebenen Informationen für den Kriegsverlauf waren – das wusste man nicht. Die entsprechenden Akten lagen fast 100 Jahre lang in Moskauer Archiven unter Verschluss.

Nun hat das Wiener Historikerpaar Verena Moritz und Hannes Leidinger die Dokumente gesichtet ...

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