ÖBB droht ein Totalausfall der Geldanlagen:
Finanzkrise sorgt für enorme Kursverluste

Den ÖBB drohen im Lichte der Finanzkrise der Totalausfall der veranlagten Gelder, berichtet das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe. Den bis dato nur Buchverluste produzierenden Collateralized Debt Obligations (CDO) "droht der Todesstoß aus Island", berichtet Tageszeitung "Der Standard". Ex-Generaldirektor Martin Huber habe die ÖBB unterdessen auf über 836.000 Euro geklagt, so "profil".

Die 2005 eingegangenen Spekulationsgeschäfte der ÖBB in Höhe von 612,9 Mio. Euro entwickelten sich im Lichte der Finanzkrise zu einem Fass ohne Boden, berichtet das "profil". Nachdem Ende 2007 bereits Buchverluste von 242 Mio. Euro berücksichtigt werden mussten, könnten es heuer bereits 350 Mio. Euro werden.

Laut "Standard" befinden sich unter den mehr als 200 Titeln, von deren Erfolg dieses Wettgeschäft abhängt, auch die vor einer Woche verstaatlichten drei isländischen Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir. Der vierte "dicke Raubfisch" im Derivate-Pool der ÖBB sei die die vor drei Wochen aufgefangenen US-Sparkasse Washington Mutual.

"Kippen die 18 bis 25 am stärksten gewichteten Titel, dann kippt der ganze Deal", so ein ÖBB-Aufsichtsratsmitglied zur Zeitung. Dann würden 300 Mio. Euro Rücklagen nicht reichen, dann sei "der ganze Topf" fällig. Weg wäre das Geld dann real aber noch immer nicht, denn bis zum Ende der Laufzeit im Jahr 2015 könnte sich alles wieder ins Positive drehen und brächte der Bahn einen Buchgewinn.

Auch die Cross-Border-Leasings (CBL), mit denen unter anderem Waggons für Jahrzehnte an US-Trusts verleast und dann wieder zurückgeleast wurden, verursachen zusätzliche Kosten, weil Leasingraten von 80 bis 100 Mio. Euro vom soeben geretteten US-Versicherer AIG losgeeist werden müssten. Derzeit werde von den ÖBB geprüft, ob dafür vorgesorgt werden müsse und ob zumindest einige der 17 hochkomplizierten Leasing-Deals wieder aufgeschnürt werden können.

Ex-Boss Huber will sein Geld
Der frühere ÖBB-Chef Martin Huber hat laut "profil" den anlässlich seines vorzeitigen Ausscheidens geschlossenen Konsulentenvertrag einseitig aufgelöst und klagt nun auf eine Vertragssumme von 836.654,52 Euro einschließlich Zinsen und Umsatzsteuer ein. Dies gehe aus einer am 6. Oktober beim Handelsgericht Wien eingebrachten Klage des Rechtsanwaltes Meinhard Novak hervor. Begründet werde die Klage damit, dass sich die ÖBB weigerten, den vereinbarten Zahlungen nachzukommen. (apa/red)