„Österreich könnte mithelfen“

Frankreichs Botschafter Stéphane Gompertz über die Intervention in Mali und seine bisher erfolglose Bitte um österreichische Unterstützung.

profil: Hat die internationale Gemeinschaft in Mali zu lange gezögert?
Gompertz: Nein, das glaube ich nicht.
Vor wenigen Monaten noch war die Situation ganz anders, da waren der Süden des Landes und die Hauptstadt Bamako nicht bedroht. Danach erst haben sich die terroristischen Gruppierungen geeint. Aus politischen Gründen wäre ein früheres Eingreifen auch gar nicht möglich gewesen. Algerien etwa hätte keine Überfluggenehmigungen für französische Kampfflugzeuge erteilt.

profil: Fühlt sich Frankreich als einziger Staat im Kampfeinsatz von seinen Verbündeten allein gelassen?
Gompertz: Überhaupt nicht. Frankreich bekommt Unterstützung im Bereich der Informationsgewinnung und der Logistik. Außerdem stehen diplomatisch alle relevanten Staaten hinter dieser Operation. Natürlich hoffen wir, dass die Hilfe der Europäer noch stärker wird. Österreich zum Beispiel könnte bei der Ausbildung der malischen Truppen mithelfen.

profil: Bisher gibt es dafür aber keine Zusage.
Gompertz: Ich denke, dass eine solche Entscheidung nach der österreichischen Volksbefragung zur Wehrpflicht fallen kann. Es wäre sinnvoll. Wir als Europäer sind durch islamistische Terroristen bedroht, sowohl in Afrika durch Geiselnahmen und Ähnliches als auch in Europa selbst.

profil: Welche Antwort haben Sie bisher in Wien bekommen?
Gompertz: Es heißt, alle Optionen seien offen. Aber ich verstehe auch, dass Außenminister Michael Spindelegger dies nicht allein entscheiden kann. Dazu braucht es die Zustimmung der Regierung.

profil: Haben Sie auch Kontakt mit Verteidigungsminister Norbert Darabos aufgenommen?
Gompertz: Ich habe ihn bei meinem Amtsantritt vor zehn Monaten um einen Termin gebeten, aber bisher noch keinen bekommen.

profil: Staatspräsident François Hollande hat als eines der Kriegsziele genannt, die malische Regierung müsse die Kontrolle über den Norden wieder erlangen und eigenständig bewahren können – das klingt nach einer mehrjährigen Aktion.
Gompertz: Frankreich will den Einsatz so kurz wie möglich halten. Danach könnten auch afrikanische Truppen Mali unterstützen.

profil: Was entgegnen Sie auf den Vorwurf in der algerischen Presse, Frankreich wolle in Mali eine dauerhafte Militärbasis errichten?
Gompertz: Diese Absicht verfolgen wir nicht. Wir haben genug Militärbasen in der Region.