Österreichs Biomarkt: Bio-logisch

Nach dem Boom der neunziger Jahre stößt das Geschäft mit naturbelassenen Lebensmitteln langsam an seine Wachstumsgrenzen.

In Österreich werden pro Jahr 450.000 glückliche Hühner, 423.000 zufriedene Schweine, 90.000 Tonnen Getreide, 33 Millionen Liter Milchprodukte und 27 Millionen Eier verzehrt.
Waren es 1988 erst 880 Biobauern, die garantiert pestizidfreies Obst, Gemüse oder Getreide anbauten sowie Milch, Fleisch oder Eier von artgerecht gehaltenen Tieren produzierten, sind heute in Österreich bereits 13.717 Biobauern registriert. Nach Erhebungen des Ernteverbands Bio Ernte Austria, dem drei Viertel aller Biobauern in Österreich angehören, wurden hierzulande im vergangenen Jahr Waren mit dem Etikett „Bio“ im Wert von 350 Millionen Euro auf den Markt gebracht.

Ursprünglich verkauften die Biolandwirte ihre Produkte hauptsächlich über kleine Feinkostläden oder ab Hof. Erst mit dem herannahenden EU-Beitritt Österreichs sowie den neuen biologischen Richtlinien aus Brüssel setzten auch die Supermarktketten verstärkt auf unverfälschte Lebensmittel. Den Anfang machten 1994 die Handelsketten Billa und Merkur mit der Biomarke Ja!Natürlich. Ein Jahr später startete Spar die Bioeigenmarke Natur*pur, 2001 folgte Adeg mit bio+, und im Vorjahr stellten auch die Handelskette Zielpunkt und der Lebensmitteldiskonter Hofer eigene Bioprodukte in die Regale. Mittlerweile sind die Supermärkte mit einem Marktanteil von 80 Prozent der größte Vertriebskanal für Bioprodukte.
Die Österreicher greifen durchaus beherzt zu Biolebensmitteln, obwohl sie dafür um bis zu 25 Prozent mehr bezahlen als für konventionelle Waren. Ein Liter Biovollmilch kostet beispielsweise bei Zielpunkt 0,75 Euro, herkömmliche Vollmilch nur 0,55 Euro. Rindfleisch ist sogar um bis zu 40 Prozent teurer, bei Bioeiern sind die Preisunterschiede fallweise noch deutlich größer.

Mittlerweile verlangsamen sich die Zuwächse im Absatz von naturbelassenen Lebensmitteln jedoch deutlich. Der Anteil von nunmehr vier Prozent am Lebensmittelhandelsumsatz scheint vorerst keine Steigerungen mehr zuzulassen, meint Thomas Huber, Ex-Vorstand von Billa und nun Marktforscher bei der Unternehmensberatung Accenture: „Der Anteil der Bioprodukte am Gesamtmarkt hat in Österreich den Zenit bereits überschritten.“

Für Supermärkte haben Bioprodukte jedoch – über den jeweiligen Umsatzanteil hinaus – weiter reichende Bedeutung. Adeg-Manager Kurt Erlacher: „Bio ist ein extrem wichtiger Imageträger. Vor allem für die jüngere Kundschaft. Da müssen wir ganz einfach mitspielen.“