ÖVP Kärnten: Kärntner Kohl

Vom Carinthischen Sommer in die Haider-Festspiel-Arena. Der Campingplatzbetreiber Josef Martinz will die Kärntner ÖVP retten.

Vielleicht sollte Helmut Kohl, der passionierte Wolfgangsee-Urlauber, zur Sommerfrische doch einmal an den Ossiacher See aufbrechen. In Ossiach, wo Fast-Namensvetter Andreas Khol, der hiesige Nationalratspräsident, ein Ferienhäuschen sein Eigen nennt, lebt ein großer Fan des deutschen Bundeskanzlers a. D.: Josef Martinz, 45, bislang Bürgermeister der Fremdenverkehrsgemeinde und ÖVP-Bezirkschef von Feldkirchen, Kärntens „blauestem“ Bezirk. Seit vorvergangenem Sonntag ist er designierter Obmann der Kärntner ÖVP.

„Kohl hat in einer sehr schwierigen Zeit den Mut bewiesen, richtig zu handeln“, sagt Martinz über sein Vorbild. Gemeint: die deutsche Wiedervereinigung. Was man von Kohl sonst noch so lernen kann? „Langfristiges strategisches Denken und die Entschlossenheit, sich auch in unangenehmen Zeiten nicht vom Kurs abbringen zu lassen.“

Äußerst unangenehme Zeiten macht derzeit die Kärntner Volkspartei durch. Das Wahldebakel – minus 9,1 Prozentpunkte – und der Rücktritt von Parteichef Georg Wurmitzer hatten die Partei in Diadochenkämpfe gestürzt. Die Zentrale in Wien hatte Klaus Wutte als Obmann forciert, doch gegen ihn, einen Vertreter des „Ancien Regime“, regte sich Widerstand. Klaus Auer, VP-Nationalratsabgeordneter, drohte gar mit einer Gegenkandidatur am Parteitag. Die von Wurmitzer ventilierte Idee, einen Quereinsteiger zu präsentieren, wurde als zu riskant verworfen.

Die Wahl fiel auf Josef Martinz. „Endlich ein neues Gesicht“, ist auch VP-Rebell Auer zufrieden. „Er ist ein kritischer Geist. Und einer, der auf die Menschen zugehen kann.“ Martinz sei liberal, „aber auch ein wenig konservativ“.

Martinz selbst will sich nicht einordnen lassen. „Ich bin auf jeden Fall ein Anhänger der sozialen Marktwirtschaft“, so der Absolvent der Wiener Wirtschaftsuni. Neoliberales Denken lehne er ab. Viel zu seiner geistigen Offenheit habe der Carinthische Sommer beigetragen. „Da kommt die große künstlerische Welt nach Ossiach. Da ist man als Bürgermeister schon gefordert“, sagt Martinz, im Brotberuf Campingplatzbetreiber ebendort.

Bei der Landtagswahl am 7. März blieb die ÖVP in Ossiach mit 24,3 Prozent zwar vor der SPÖ (22,9 Prozent), verlor jedoch 9,4 Prozentpunkte. Die Grünen legten auf 7,5 Prozent zu. Die FPÖ kam auf 44,7 Prozent. Dies verdeutlicht das Dilemma der Kärntner ÖVP ganz gut: In Oberkärnten verlor man stark an die FPÖ, in Unterkärnten an die Grünen. Ossiach liegt ziemlich genau in der Mitte.

Bei der Bürgermeisterwahl im Vorjahr zeigte sich jedoch, dass hier auch Schwarze reüssieren können: Martinz erhielt 60,8 Prozent der Stimmen.

Der Bauernsohn wird als Landesrat die Agenden Agrar, Forst und EU übernehmen. Mehr war der ÖVP nicht geblieben – nach jener weinseligen Nacht, als zwischen Rot und Blau der Chianti floss. Dennoch will Martinz konstruktiv mitarbeiten. „Es sollte so sein wie in den Gemeindestuben.“ Dort gebe es kaum parteipolitisches Hickhack. „Ausgrenzung ist das Schlechteste“, meint Martinz. Am FPÖ/SPÖ-Pakt werde die ÖVP aber nicht teilhaben. „Das war von den anderen auch nicht gewünscht.“

Und wie hält er es mit Jörg Haider? Ob man ihn aktiv zum Landeshauptmann wählen werde, sei in den VP-Gremien noch nicht ausdiskutiert. „Aber persönlich habe ich ein völlig friktionsfreies Verhältnis zu ihm.“
Was sich – wer Jörg Haider kennt – rasch ändern könnte.