Rosenbauer International in Offshore-Leaks-Datenbank

Der oberösterreichische Feuerwehrausstatter Rosenbauer International scheint in der Offshore-Leaks-Datenbank auf. Und kann sich nicht erklären, warum.

„Wir verhalten uns gesetzestreu.“ Das gilt in Leonding bei Linz, in der Zentrale des Feuerwehrausrüsters Rosenbauer International, als oberstes Gebot. Seit Herbst 2011 steht Dieter Siegel an der Spitze des börsennotierten Konzerns. Und eine seiner ersten Maßnahmen war die Ausarbeitung eines Verhaltenskodex für Führungskräfte und Mitarbeiter.

„Wir setzen auf fairen Wettbewerb”
Zehn Punkte – die Ähnlichkeit mit dem alttestamentarischen Dekalog mag Zufall sein – und 16 Seiten umfasst der „Code of Conduct“ von Rosenbauer. Zweites Gebot: „Wir setzen auf fairen Wettbewerb und stimmen unser Verhalten nicht mit Konkurrenten am Markt ab.“ Dass dieses Bekenntnis an derart prominenter Stelle postuliert wird, dürfte weniger dem Zufall geschuldet sein. Als Siegel das Zepter von seinem Onkel Julian Wagner übernahm, war das Image des Unternehmens arg ramponiert. Rosenbauer war kurz zuvor in Deutschland zu 10,5 Millionen Euro Bußgeld verurteilt worden, weil der Konzern in illegale Preisabsprachen verwickelt war. Für den in 105 Ländern vertretenen Weltmarktführer bei Löschfahrzeugen, der immer als heimischer Vorzeigebetrieb gehandelt wurde, eine hochnotpeinliche Angelegenheit.

Schauplatzwechsel: Hongkong, 185 Wanchai Road. An dieser Adresse steht das Connaught Commercial Building – ein schäbiges Hochhaus mit 24 Stockwerken. Darin befinden sich: eine Versicherungsgesellschaft, ein Thai-Restaurant, ein Lerninstitut. Unter anderen.

In der zwölften Etage des Gebäudes domiziliert ein Ableger der Sealight Incorporations Limited. Das Geschäftsmodell des in Belize registrierten Unternehmens – wo „International Business Companies“ steuerfrei agieren und nur geringfügigen Auflagen unterliegen – besteht offenbar darin, für seine Klienten Offshore-Gesellschaften aufzusetzen. Und dabei dürfte es recht umtriebig gewesen sein. Mehrere hundert Firmen sollen seine Dienste in Anspruch genommen haben. Darunter auch ein österreichisches.

Nämlich, erraten, Rosenbauer. Das geht zumindest aus der sogenannten Offshore-Leaks-Datenbank des International Consortium of Investigative Journalism (ICIJ) hervor. Die Enthüllungen dieses weltumspannenden Journalistennetzwerks mit Sitz in Washington sorgten in den vergangenen Wochen und Monaten für Wirbel und riefen Steuerfahnder rund um den Globus auf den Plan.

Viertes Gebot der Rosenbauer-Bibel: „Wir begehen weder Steuerhinterziehung noch Subventionsbetrug und leisten auch keine Beihilfe dazu.“ Denn: „Das Aufklärungsrisiko bei Steuer- und Subventionsdelikten ist aufgrund regelmäßiger Prüfungen der Behörden besonders hoch.“

Ein Eintrag in die Offshore-Leaks-Datenbank muss nicht zwangsläufig einen kriminellen Hintergrund haben. Einen gewissen Hautgout hat es allerdings schon. Schließlich befindet man sich dabei in höchst zweifelhafter Gesellschaft. Waffenhändler, Oligarchen und Angehörige von Diktatoren, aber auch Prominente und Mittelständler scheinen dort auf. Der Verdacht: Sie sollen Steueroasen in aller Welt nutzen, um ihr Vermögen vor dem Zugriff der heimatlichen Behörden zu schützen.

In Österreich brachte das Netzwerk den langjährigen Chef von Raiffeisen International, Herbert Stepic , zu Fall. Der Banker tauchte in der Datenbank als „wirtschaftlich Berechtigter“ zweier Gesellschaften auf den Britischen Jungferninseln und in Hongkong auf. Diese seien gegründet worden, um Investitionen – „mit in Österreich versteuertem Geld“, wie Stepic betonte – in drei Wohnungen in Singapur abzuwickeln. Als dies publik wurde, musste der 66-Jährige seine Demission verkünden.

Zumindest wirft eine Nennung in der Datenbank Fragen auf. Denn sie basiert auf rund 2,5 Millionen Dokumenten, die von nur zwei Unternehmen stammen. Der Unternehmensgruppe Portcullis Trustnet in Singapur und der auf den Britischen Jungferninseln domizilierenden Commonwealth Trust Limited. Sie sind eine Art Full-Service-Anbieter für Offshore-Geschäfte und versprechen ihren Kunden, deren Steuerlast zu minimieren und die Herkunft und den Verbleib ihrer Gelder zu verschleiern.

Den Gesetzen der Logik zufolge müsste also jeder in der Datenbank Genannte schon einmal geschäftlichen Kontakt zu einem der zwei Unternehmen respektive zu dessen Helfershelfern gehabt haben.
Theoretisch. Denn bei Rosenbauer gibt man sich bass erstaunt. Man habe nach profil-Anfrage die Buchhaltung und sämtliche unternehmensinterne Datenbanken durchkämmt. Ohne Ergebnis. Weder kenne man Sealight Incorporations noch Portcullis oder Commonwealth Trust – und man habe absolut keinen Kontakt zu diesen Unternehmen. „Derartige Vehikel wenden wir nicht an. Das ist nicht vereinbar mit unserer Geschäftsphilosophie“, sagt Rosenbauer-Unternehmenssprecherin Gerda Königstorfer.