Wolfgang Schäuble: „Wir müssen den Druck verstärken"

Offshore-Leaks - Wolfgang Schäuble: „Wir müssen den Druck verstärken"

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erwartet von den jüngsten Enthüllungen über die globale Steuer-hinterziehung Rückenwind im Vorgehen gegen Steueroasen. Auch Österreicher sind auf den Listen.

„Ich freue mich eher über diese Meldungen", sagte Schäuble heute, Freitag, im Deutschlandfunk. Sie verstärkten den Druck auf Steueroasen. Allerdings sei es „unendlich mühsam", internationale Regelungen gegen die Steuerhinterziehung durchzusetzen, merkte der Minister an. Schon auf Ebene der EU-Länder sei dies schwierig.

Schäuble kündigte an, dass sich Deutschland in der EU und darüber hinaus weiter für ein internationales Vorgehen gegen Steuersünder einsetzen werde. „Wir sind auf die Zusammenarbeit mit allen anderen angewiesen", sagte er. „Wir müssen den Druck verstärken."

Die Debatte über Steuerhinterziehung wurde neu belebt durch umfangreiches Material über geheime Geschäfte in Steueroasen, das an mehrere internationale Medien gelangt ist. Eine anonyme Quelle habe einen Datensatz mit 2,5 Millionen Dokumenten zugänglich gemacht, berichteten am Donnerstag in Deutschland die „Süddeutsche Zeitung" und der Norddeutsche Rundfunk. In den Unterlagen finden sich demnach auch hunderte deutsche Fälle.

20 Mrd. Euro Schwarzgeld aus Österreich in der Schweiz
Auf den Listen der Steuerhinterzieher die durch das Offshore-Leak an die Öffentlichkeit gekommen ist sollen sich auch mehrere Österreicher befinden, berichtet die ORF-ZIB. Namen wurden keine genannt. Auf APA-Anfrage hat es gestern aus dem Finanzministerium geheißen, dass man sich auch für die Listen interessieren würde.

Frederik Obermaier, der Journalist der „Süddeutschen Zeitung", der monatelang in den Datensätzen recherchiert hat, bestätigte, dass Österreicher darin auftauchen. Allerdings sei dem bisher noch gar nicht nachgegangen worden, so Obermaier im Ö1-„Morgenjournal". Man habe sich vorerst auf deutsche Fälle konzentriert und sei noch immer damit beschäftigt. In „österreichische Gefilde" werde man wohl erst in einigen Monaten vordringen.

Aus Österreich ist bisher bekannt, dass die in den USA geborene Komponistin Denise Rich mit heimischem Pass verzeichnet ist - allerdings aus jener Zeit, in der sich noch in New York lebte. Sie verdiente viel Geld durch Pop-Hits, die sie komponierte. In welchen weiteren Umfang Österreicher in der Liste verzeichnet sind, ist vorerst noch unklar.

Allein in der Schweiz sollen sich laut Ex-SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter 16 bis 20 Mrd. Euro Schwarzgeld aus Österreich befinden.

Auch Schweizer Banken sind im Zuge der spektakulären Enthüllungen über weltweite Steueroasen in den Blickpunkt gerückt. Im Scheinwerferlicht stehen einmal mehr die UBS und die ehemalige Credit-Suisse-Tochter Clariden, aber auch die Deutsche Bank. Sie hätten „aggressiv darauf hingearbeitet, ihren Kunden geheimste Gesellschaften auf den Britischen Jungferninseln und anderen Steueroasen zu verschaffen", schreiben die Verantwortlichen des Internationalen Konsortiums für investigativen Journalismus (ICIJ) in den USA.

(APA/Red.)