ORF-Intervention im Sinne der Quote

Eklat in der Filmförderung: Eine Intervention von TV-Direktorin Kathrin Zechner hat zum jähen Geldfluss für ein ungeliebtes Projekt geführt.

Ein neuer filmischer Provinzialismus treibt dieser Tage ungeahnte Blüten. Ausgerechnet „Im weißen Rössl“ soll jener Film heißen, der nach heftiger Intervention durch ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner nun durch die Kinoförderung geschleust wird, obwohl er augenscheinlich allen Regeln der TV-Hauptabendunterhaltung entsprechen wird. Die Geschichte einer „frechen jungen Berlinerin“, die mit ihrem Vater ins Salzkammergut reist und sich dort in die fünfziger Jahre zurückversetzt fühlt, war im Österreichischen Filminstitut (ÖFI) zunächst einhellig abgelehnt worden. Zechner urgierte eine außerordentliche Sitzung der Projektkommission, in der das Ergebnis Mitte Juni revidiert wurde. Mit 100.000 Euro Förderungsstartgeld kann das Projekt nun in die gemeinsame Kommission von ORF und ÖFI gelangen, wo man dafür weitere sechsstellige Summen einem Budget entnehmen wird, das eigentlich dem künstlerisch relevanten Kinofilm vorbehalten ist.

„Eine konstruktiv-überzeugende Diskussion ist nicht mit einer Intervention gleichzusetzen“, verteidigt sich Zechner gegenüber profil. Es gelte, „gemeinsam mit dem ÖFI Projekte auf Attraktivität und Kinotauglichkeit“ zu prüfen. Gerade Letzteres steht aber zu bezweifeln. Als Regisseur ist Christian Theede vorgesehen, der über keinerlei Kinoerfahrung verfügt, seit Jahren nur an TV-Unterhaltungsware wie „Alarm für Cobra 11“ und „Buschpiloten küsst man nicht“ arbeitet. ÖFI-Chef Roland Teichmann erklärt diplomatisch, dass „das Verhältnis des Filminstituts zum ORF traditionell heikel, aber immer partnerschaftlich“ sei. „Im weißen Rössl“ sei eben „unter stark veränderten produktionswirtschaftlichen Bedingungen neu eingereicht“ worden. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht: „Wir haben zwei Stunden lang diskutiert – und uns dann zur Förderung entschlossen.“

Der Ablauf, nach dem Kinoprojekte, an denen sich der ORF beteiligen kann, erst im Filminstitut begutachtet werden, ehe sie in die gemeinsame Kommission ­gehen, sei „in Stein gemeißelt“, meint Teichmann. „In Einzelsituationen allerdings muss man ein wenig Flexibilität zeigen und dem Partner ORF auch entgegenkommen. Gute Partnerschaften zeichnen sich durch Geben und Nehmen aus. Aber erpressen lassen wir uns sicher nicht.“ Kathrin Zechner, die ihren Eingriff nun als „geübten Vorgang“ herunterspielt, scheine „andere Schwerpunkte als ihr Vorgänger Wolfgang Lorenz zu haben“, sagt Teichmann: Sie orientiere sich „stärker an Quote und Publikumsakzeptanz“. Quote habe „nichts mit dem künstlerischen Anspruch eines Projekts zu tun“, meint dagegen Zechner. „Den kulturellen Wert wird jeder Zuschauer für sich selber bewerten. Gute Unterhaltung ist ja nicht automatisch künstlerisch wertlos.“ Das „Weiße Rössl“ sei ein Projekt, das „im Trend der Zeit“ liege und eine Tradition aufgreife, „die in Österreich lange verankert ist und in den letzten Jahren meines Erachtens vernachlässigt wurde: den Musikfilm. Ich glaube an den Erfolg der Produktion.“

Zechners aktueller Aktivismus stellt das Film/Fernseh-Abkommen regelrecht infrage. Die neue Zusammenarbeit zwischen ÖFI und ORF scheint sich jedenfalls zum Machtspiel zu entwickeln.