Politik-Umfrage: Faktor Arbeitsangst

Die hohe Arbeitslosigkeit liegt den Österreichern schwer im Magen: Die Angst ist groß, der Wunsch nach verstärkten Anstrengungen der Regierung überwältigend. Die Opposition kann bisher nicht davon profitieren.

Die Antwort könnte kaum deutlicher ausfallen. Auf die Frage, welchen Bereichen sich die Politik stärker als bisher zuwenden sollte, antworten neun von zehn Österreichern: dem Arbeitsmarkt.

„Das ist ein Alarmsignal für die Regierung“, sagt OGM-Meinungsforscher Peter Hajek. Zwar hat die schwarz-orange Koalition mit dem Konjunkturpaket Anfang dieser Woche einen ersten, wenn auch medial wenig glücklichen Schritt gesetzt. Dennoch: „Sie muss sich mehr um dieses Thema kümmern und mehr Vertrauen in ihre Arbeitsmarktpolitik herstellen.“

Grundsätzlich nützen hohe Arbeitslosenraten zwar eher der Opposition. Doch vor allem die SPÖ hat in diesem Bereich selbst noch Aufholbedarf. Entscheidend werde sein, ob die Sozialdemokraten die Wähler überzeugen können, dass sie über die besseren Ideen und Konzepte verfügen, betont Hajek.

Auf die Sonntagsfrage wirkt sich die neue Causa prima jedenfalls noch nicht aus. Zwar verliert die ÖVP gegenüber dem Juli einen Prozentpunkt und hält nun bei 37 Prozent. Sie liegt damit jedoch im Schnitt der vergangenen Monate. Mit 41 Prozent bleibt Alfred Gusenbauers SPÖ weiterhin klar in Führung. Eine Mehrheit der Bevölkerung geht derzeit davon aus, dass die Roten als klarer Sieger aus den Landtagswahlen in der Steiermark, im Burgenland und in Wien hervorgehen werden – bundespolitisch hat diese Erwartung jedoch noch keine Auswirkungen.

Für die beiden Abstiegskandidaten FPÖ und BZÖ bleiben auch in Monat fünf nach ihrer Trennung die guten Neuigkeiten aus. Mit vier Prozent müssen sowohl Bündnischef Jörg Haider als auch Heinz-Christian Strache weiter zittern, ob sie nach den Nationalratswahlen im Parlament verbleiben dürfen.

Mit dem vermeintlichen Wahlkampfschlager Steuerreform wird das den Orangen wohl nicht gelingen. Zwar meinen 60 Prozent, die Politik sollte sich vermehrt um die Steuerpolitik kümmern. Gleichzeitig sieht jeder dritte Österreicher hier keinen Handlungsbedarf. „Das BZÖ hat das Thema Steuerreform gut besetzt. Allein damit wird man in Österreich aber keine Erfolge feiern“, resümiert Peter Hajek.

Zumindest eine BZÖ-Politikerin kann derzeit Erfolge vorweisen. Karin Gastinger, vormals Miklautsch, hat in den vergangenen Monaten nicht nur fachlich gute Figur gemacht. Auch bei den Wählern kommt ihre bodenständige Art offensichtlich an. Im vergangenen Monat legte sie im OGM-Vertrauensindex um neun Prozentpunkte zu. Damit empfindet sie erstmals eine Mehrheit der Österreicher als sympathisch. Übrigens als Einzige aus der orangen Regierungsriege.

Von Alexander Dunst