Neue Alben: Austra, These New Puritans, Valient Thorr

Valient Thorr: Our Own Masters (Volcom/Petting Zoo Propaganda)

These New Puritans: Field of Reeds (Pias/Infectious)

Kanye „Yeezus” West ist zurück auf der großen Bühne der Popmusik, mit Austra tanzt man auch in Toronto und Valient Thorr schreiben den Männer-Sommer-Soundtrack des Jahres. profil unerhört präsentiert die wichtigsten CDs der Woche.

Die Popwelt ist in Aufregung: Kanye West , der selbsternannte „Michael Jordan of music“ ist zurück auf der großen, der ganz großen Bühne. Dafür verzichtet West bei seinem am Montag, den 17. Juni, erscheinenden neuen Album „Yeezus“ gleich auf das Artwork, nur ein von Hand aufgeklebter roter Sticker ziert die CD-Hülle. Bescheidenheit als neue Dekadenz?
Drei neue Songs haben indes ihren Weg ins Netz gefunden: das epische Alltagsrassismen-Manifest „New Slaves“, „On Sight“ und das grundbescheidene „I am God“. Auch wenn sich West nicht auf eine Stufe mit „Yeezus“ stellt, sein irdischer Vertreter in Sachen Popmusik ist er allemal.
Wer jetzt noch immer nicht genug hat, dem sei ein kürzlich erschienenes, denkwürdiges Interview ( „Behind Kanye’s Mask“ ) mit der „New York Times“ ans Herz gelegt. Über was geredet wurde? Über Gott, die Welt – und Kanye West natürlich.

Sebastian Hofer und Philip Dulle besprechen die wichtigsten CDs der Woche.

Austra: Olympia (Domino Records)

Auch die Menschen in Toronto brauchen Tanzmusik. Vielleicht mit einem leichten Hang ins Tragische, mit verführerischen dunklen Synthies, einer Fenster-zerberstenden Sirenenstimme und schleppendem Nachhall. Mit seinem zweiten Album „Olympia“ bewegt sich das kanadische Kollektiv auch ein wenig weg vom esoterischen Schlafzimmerpop seines Debüts, versucht sich in Beach-House-ähnlichen Dreampop-Balladen, klaut gekonnt bei Lykke Li und zeigt, dass man auch mit einer latenten Depression immer noch einen veritablen Clubhit schreiben kann („Annie (oh muse, you)“). Oder wie heißt es so schön im Album-Opener: „So I dance with nothing / So I dance for free / And there is no glamour“. Detailgetreu auf den Punkt. (7.8/10) Ph. D.

Valient Thorr: Our Own Masters (Volcom/Petting Zoo Propaganda)

Drohung oder Metal-Bonmot? Laut offizieller Band-Beschreibung versteckt sich hinter Valient Thorr nicht nur fiesester „Balls-to-the-Wall“-Rock, sondern auch noch fünf Grimassen-schneidende Typen aus Chapel Hill, North Carolina, mit mächtigen Rauschebärten, Jeans-Gilets und Harley-Davidson-Bandanas (Vorsicht vor der Google-Bildersuche). Männer also, die ihre Gitarren nicht unterm Kinn tragen, sondern wie stolze Krieger, bereit um in die nächste Game-of-Thrones-Schlacht zu ziehen. Aber wie die Fernsehserie, ist auch Valient Thorr vor allem ein herrlicher Blödsinn, der sich selber nicht zu ernst nimmt, gekonnt zwischen Heavy Rock (man hört Thin Lizzy und MC5) und Punkrock (man hört die Kanadier Fucked Up) changiert und pro Jahr bis zu 250 Konzerte absolviert. „Our Own Masters“ ist ein Album für den Sommer und den Männer-Themenabend: Bierbauch raus, Holzkohle-Griller an, Valient Thorr im Ohr. (7.1/10) Ph. D.

These New Puritans: Field of Reeds (Pias/Infectious)

Ist das noch experimenteller Rock oder schon avantgardistische Klassik? These New Puritans, eine hübsche Zwillingsbrüder-und-Frau-am-Keyboard-Artrock-Band aus England, erfindet sich ohnehin auf jedem ihrer Alben neu. Die „Fields of Reeds“ mäandern anno 2013 durch sphärische Songexperimente, ruhige Distopia-Filmsoundtracks, grüßen Richtung Talk Talk und verlieren sich in dadaistischen Klavier- und Stimmakrobatik-Exkursen. Für These New Puritans zählt eben nur die momentane Erregung, das ruhelose Atmen des Sängers, die punktgenaue Piano-Solo-Landung in „Organ Eternal“ und ein Blick in die unendlichen Weiten der Popmusik. Die Antwort ist irgendwo da draußen. (8.1/10) Ph. D.

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