Porträt: Des Waidmanns Heil

Uwe Scheuch, der neue Generalsekretär der FPÖ, hat seine Wurzeln ebenfalls im national-freiheitlichen Milieu.

Auch Uwe Scheuch, 35, entstammt jenem Lager, das der FPÖ in den letzten Wochen maximale mediale Aufmerksamkeit beschert hatte: dem national-freiheitlichen.

Großvater Robert Scheuch war wie die meisten seiner Gesinnungsfreunde aus dem Landbund den völkischen Verlockungen des Nationalsozialismus erlegen. Ab 1935 war der Kärntner Gutsherr Mitglied der NSDAP gewesen, später gar Sektionschef im NS-Landwirtschaftsministerium. Nach dem Krieg war Robert Scheuch Mitbegründer der FPÖ-Vorgängerpartei Verband der Unabhängigen (VdU), Vizeparteichef, FPÖ-Nationalratsmandatar und Kärntner Landesparteiobmann.

Die Enkel traten sein Erbe an. Kurt Scheuch, der „Reißwolf von Knittelfeld“, ist heute Dritter Kärntner Landtagspräsident. Uwe Scheuch sitzt im Nationalrat – und nun auch im FPÖ-Generalsekretariat. Er ist emotional beherrschter als sein Bruder, ein umgänglicher Sonnyboy, mit dem auch ÖVP-Abgeordnete gut können.

Uwe Scheuch ist tief verwurzelt in der traditionell sehr nationalen Kärntner FPÖ-Scholle, er ist großbäuerlich geprägt, Absolvent der Universität für Bodenkultur, ohne religiöses Bekenntnis und ausgesprochen heimatbewusst. Gemeinsam mit Bruder Kurt führt er den 120 Hektar großen Sternhof im Oberkärntner Mühldorf. Ihre Familien – Uwe Scheuch hat zwei Kinder – leben gemeinsam unter einem Dach. Scheuchs Vater war mit dem Traktor tödlich verunglückt, als Uwe eineinhalb Jahre alt war.

Im EU-Wahlkampf hatte Uwe Scheuch Andreas Mölzers Vorzugsstimmenkampagne unterstützt. Allerdings sehr dezent, öffentlich hielt er sich zurück. „Um seine Karrierechancen nicht zu gefährden“, wie ein Partei-freund aus dem Mölzer-Umfeld bemerkt.

Wie sein Vorbild Jörg Haider („Wir sind aus ähnlichem Holz geschnitzt“) versucht auch Uwe Scheuch, die engen Grenzen des national-freiheitlichen Geheges zu überschreiten, sich als jugendlich, modern und politisch pragmatisch zu inszenieren.
Entdeckt wurde Uwe Scheuch vom Kärntner Landtagspräsidenten Jörg Freunschlag. Seit er in Wien ist, hat er einen neuen Mentor: den Nationalratspräsidenten Thomas Prinzhorn. Von einem Vater-Sohn-Verhältnis ist FPÖ-intern die Rede oder von der „Jäger-Connection“ – beide pirschen leidenschaftlich gern im Unterholz.

Seine Politkarriere startete Scheuch mit einem Flop: Als Spitzenkandidat der Kärntner Landwirtschaftskammerwahl 2001 verlor er 4,2 Prozentpunkte. „Damals ist Scheuch so richtig in Herrenbauernmanier aufgetreten“, erinnert sich ein Weggefährte. Als Scheuch 2003 ins Parlament einzog, gab er sich nachgerade schüchtern. Doch das sollte sich bald ändern. Im schwarz-blauen Pensionsreformzwist gab Uwe Scheuch den Anführer der Haider-treuen Rebellen im FPÖ-Klub, die Wolfgang Schüssel Zugeständnisse abtrotzten.

Im Parlament ist der mundflinke junge Recke um flotte Sprüche selten verlegen. Über die Grüne Brigid Weinziger befand er: „Jetzt kenne ich endlich den Unterschied zwischen einer emanzipierten Frau und einer Emanze.“ Als über die Finanzierung der Israelitischen Kultusgemeinde debattiert wurde, rief er dazwischen: „Unterstützen wir doch lieber unsere Bergbauern.“ Und seinem Parteikollegen Anton Wattaul richtete er aus, er solle nicht so ungeduldig auf das Ende seines Redebeitrags drängen: „Dein Schnitzerl wird noch zehn Minuten warten können.“