Porträt: Mitzi Morgana

Seit über 15 Jahren ist Maria Rauch-Kallat in der österreichischen Politik eine feste Größe. Vor allem Frauen bedauern ihre Wandlung vom einstmals "bunten Vogel" zur linientreuen Parteisoldatin. Vergangene Woche polarisierte die Gesundheits- und Frauenministerin mit ihrem Vorschlag, Spitäler zu schließen.

Die Verwandlung des Amtes durch den Menschen dauert meist länger als die Verwandlung des Menschen durch das Amt. Manchmal glückt sie auch nie. Maria Rauch-Kallat ist ein repräsentatives Beispiel dafür. Acht Jahre lang führte sie das Generalsekretariat der ÖVP mit eiserner Hand, ehe sie im Februar 2003 endlich zur Ministerin befördert wurde. Ihr Traum hatte sich erfüllt: Rauch-Kallat ist nun für Gesundheits- und Frauenfragen zuständig. Vor allem um die Frauenagenden hatte Rauch-Kallat hart gekämpft.

Sozial engagierte Menschen im katholischen Umfeld, in dem sich Maria Rauch- Kallat vor ihrer politischen Karriere bewegte, sind von der Politikerin schon seit langem enttäuscht. Als die Politische Akademie der ÖVP am Montag vergangener Woche zu einem "runden Tisch zur Generationenfrage " bat, konnte sich Caritas-Direktor Michael Landau denn auch einige Spitzen nicht verkneifen. In Vertretung des Wiener Kardinals Christoph Schönborn erinnerte Landau das bürgerliche Publikum an den ehemaligen Vizekanzler Josef Riegler, dessen Denken er zurzeit "schmerzhaft vermisse". Das "bloße Konzept ¸Mehr privat, weniger Staat`" erscheine ihm, so Landau, "dünn und reizlos". Die Ministerin, die diese Phrase gern und häufig verwendet, folgte dem Vortrag mit versteinerter Miene.

Riskanter Schnellschuss. Vergangene Woche ließ Rauch-Kallat dann mit Ideen zur Dämpfung der Gesundheitskosten aufhorchen. Dass sie vorschnell auch das Zusperren von Spitälern erwog, hatte Schreiduelle mit wahlkämpfenden Parteifreunden aus Oberösterreich und Tirol zur Folge, die sich von der Politik der Regie- rung ohnehin nicht gerade begünstigt sehen. Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer erklärte resolut, er sehe "kein Krankenhaus vor der Schließung". Die Ärztekammer protestierte. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl warnte davor, wieder einmal die Pharmaindustrie zur Kasse zu bitten, irgendwann sei "der Ofen aus".

Vernichtend fällt jedoch vor allem das Urteil der Frauen aus. Die SPÖ-Frauenvorsitzende Barbara Prammer findet es "hochgradig lächerlich", wenn nun Gutscheine in den Mutter-Kind-Pass gesteckt werden, "um die Ermunterung der Männer in Sachen Babykarenz voranzutreiben".

Den vollständigen Artikel und das ganze Interview mit Maria Rauch-Kallat lesen Sie im neuen profil