profil-Chefredakteur Herbert Lackner:
Was vom Stapo-Akt Zilk zu halten ist

Wer immer die Informationen geliefert hat, die in Helmut Zilks Stapo-Akt eingegangen sind – er hat es sehr gut mit Zilk gemeint. Der zentrale Punkt wird mit keinem Wort erwähnt, nämlich der Umstand, dass Zilk jahrelang auf der Payroll des tschechoslowakischen Geheimdienstes stand und regelmäßig Geld für seine Dienste bezog. Sein Status in der „Hierarchie“ des Geheimdienstes StB lautete „vertraulicher Informant“, das heißt er war - klarerweise - kein „Agent“ der nur zum Zwecke der Informationsbeschaffung eingeschleust wurde.

Die im Stapo-Akt enthaltene Darstellung: ....versuchte mit seinen Möglichkeiten den Prager Reformkommunismus zu fördern“ deckt sich nur in geringem Ausmaß mit dem, was in den Kontaktprotokollen des Geheimdienstes steht. Demnach hat Zilk zwar zwei oder drei mal solche Fragen angesprochen, die andere Seite zeigte sich an seinen Ansichten aber völlig desinteressiert. Auch die Angabe der „Stapo“-Quelle, wonach Zilk sich geweigert habe, etwas gegen österreichische Interessen zu tun ist überrschend. Im Geheimdienstakt finden sich allerlei Forderungen Zilks – Luster, Kuraufenthalte etc. – aber nicht jene nach Schonung der österreichischen Interessen. Sie wäre auch zu naiv gewesen.

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