Psychodroge Humor: Tränen lachen

Die Binsenweisheit, dass Lachen gesund macht, wird in der Psychotherapie ernst genommen. Neue Forschungen beweisen, dass der Einsatz von Humor im Kampf gegen Angststörungen, Depressionen und Burn-out-Zustände weit wirksamer ist, als bisher angenommen.

Adolek Kohn hatte in seinem 89. Lebensjahr nicht mehr damit gerechnet, eine Berühmtheit zu werden. Doch mit dem Video „Dancing Auschwitz“, das seine Tochter, die australische Aktionskünstlerin Jane Korman, vor zwei Jahren auf YouTube stellte, ist es ihm gelungen. Dort tanzt der Auschwitz-Überlebende zu Gloria Gaynors Disco-Klassiker „I Will Survive“ in den Stätten der jüdischen Massenvernichtung – in Dachau, Auschwitz und Theresienstadt.

Über 600.000 mal wurde das Video inzwischen angesehen, und natürlich wurde in den tausenden Mail-Reaktionen an die Filmerin häufig der Vorwurf der Geschmacklosigkeit laut.

Das störte Kohn nicht; für den sechsfachen Groß- und dreifachen Urgroßvater war dieAktion, bei der er ein T-Shirt mit der Aufschrift „Survivor – Überlebender“ trug „eine Liebeserklärung an das Leben“, wie er in einem Interview erklärte. Durch die Kraft der Ironie habe er sich selbst über „die unfassbaren Demütigungen“, die ihm angetan worden waren, erhoben, und der Welt gezeigt, „dass ich kein Opfer bin.“ Humor, sagte schon Sigmund Freund, ist auch „erspartes Mitleid.“

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