<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Alle achte

Noch-ORF-General Alexander Wrabetz findet, dass „acht Landesstudios hervorragende objektive Arbeit in der politischen Berichterstattung“ leisten. Und er bewahrt sich seine erfrischende Ehrlichkeit auch im nie geführten Interview.

profil: Herr Wrabetz, ich kann seit einigen Tagen nicht mehr schlafen.
Wrabetz: Versuchen Sie es doch einmal mit dem „Club 2“.

profil: Guter Hinweis. Aber vielleicht können Sie mir auch anders helfen: Sie haben unlängst acht ORF-Landesstudios „hervorragende objektive Arbeit in der politischen Berichterstattung“ attestiert. Seither quält mich natürlich die Frage: Welches könnte denn nur das neunte sein?
Wrabetz: Tja – haben Sie keinen Tipp?

profil: Doch, durchaus. Aber versuchen wir es anders: Sämtliche Kommentatoren sind vollkommen selbstverständlich davon ausgegangen, dass Sie Niederösterreich im Sinn hatten.
Wrabetz: Allerhand. Wie um alles in der Welt kommen die nur darauf?

profil: Keine Ahnung! Die Niederösterreicher selbst meinen, sie könnten unmöglich gemeint gewesen sein.
Wrabetz: Haben Sie „Niederösterreich heute“ schon einmal gesehen?

profil: Nun gut: ja. Einmal. Aber ich habe nicht inhaliert!
Wrabetz: Ja, klar. Und Albert Fortell ist ein Schauspieler.

profil: Haben Sie „Kärnten heute“ schon einmal gesehen?
Wrabetz: Nur, weil ich Generaldirektor bin, heißt das noch lange nicht, dass ich jede Perversion mitmache. Ich war ja auch nie mit Werner Mück mittagessen.

profil: Kennen Sie dann wenigstens das „Texas-Kettensägen-Massaker“?
Wrabetz: Ja.

profil: Dann kennen Sie auch „Kärnten heute“.
Wrabetz: Was wollen Sie mir damit jetzt sagen?

profil: Dass Ihre Beschränkung auf ein Landesstudio vielleicht ein wenig zu bescheiden war.
Wrabetz: Finden Sie nicht, dass es in meiner Situation reicht, sich mit ­einem Landeskaiser anzulegen?

profil: Nun ja … Wenn es sich um den möglicherweise mächtigsten Landeskaiser von ganz überhaupt handelt, der darüber hinaus der Onkel des Vizekanzlers einer Regierung ist, deren einzige medienpolitische Vision darin besteht, den ORF wieder auf Linie zu bringen, und wenn man sich als derzeitiger ORF-Generaldirektor eine Chance ausrechnet, dieses Amt auch in einem halben Jahr noch auszuüben – dann ja.
Wrabetz: Na sehen Sie.

profil: Der Haken dabei ist nur: Was bringt Sie zu der aberwitzigen Hoffnung, Sie könnten Ihren Job behalten?
Wrabetz: Sagen Sie mir einen, der es besser kann – und der auch will.

profil: Besser können? Wir reden vom ORF und einer großen Koalition. Ein Satz, in dem „besser können“ vorkommt, steht da sicher nicht im Drehbuch.
Wrabetz: Ich habe mir gedacht, ich werfe jetzt einmal den Lorenz ins ­Haifischbecken. Und vielleicht sind sie dann satt.

profil: Eh. Erwin Pröll ist ja, was das betrifft, mehr ein schwacher Esser.
Wrabetz: Dann gehe ich zumindest in die Geschichte als der weiße Ritter ein, der wenigstens versucht hat, ihm die Stirn zu bieten.

profil: Huh. Lancelot Wrabetz. Aber komischerweise auch erst, seit Pröll findet, man müsste Sie ablösen.
Wrabetz: Prinz Eisenherz gefällt mir besser. An der Frisur arbeite ich noch.

profil: Warum haben Sie nicht schon früher versucht, die Landesstudios aus dem politischen Würgegriff zu ­befreien?
Wrabetz: O. k. Vergessen Sie das mit dem Ritter wieder.

profil: Sie haben Wolfgang Lorenz, ­Ihren Programmintendanten, öffentlich attackiert, weil er die Sendung „Dorfers Donnerstalk“ nicht zensuriert hat. Nun kann man Herrn ­Lorenz sicher wegen so manchem tadeln – und Sie tun es jetzt ausgerechnet deshalb, weil er eine Satiresendung gewähren lässt?
Wrabetz: In dieser Sendung wur­-den die ORF-Mitarbeiter verunglimpft.

profil: Die 1000, die Sie abbauen wollen?
Wrabetz: Nein – die anderen auch!

profil: Skandal! Haben Sie diese Pietätlosigkeit schon mit Gerhard Dörfler besprochen? Und was sagt „SOS ORF“ dazu?
Wrabetz: Über meine Mitarbeiter lasse ich nichts kommen.

profil: Vor allem über St. Pöltner.
Wrabetz: Was zur Hölle wollen Sie ­eigentlich von mir?

profil: Ich würde Sie gern verstehen.
Wrabetz: Keiner kann mich verstehen!

profil: Keine Tränen bitte. Das halt ich ganz schlecht aus.
Wrabetz: Geht schon wieder.

profil: Einerseits werfen Sie sich wegen ein paar harmloser Witze mannhaft vor Ihre Mitarbeiter, um damit den Lorenz statt Ihnen selbst in die Schusslinie zu befördern – und andererseits spucken Sie Erwin Pröll auf die Glatze, als wäre Ihnen eh schon längst alles wurscht. Haben Sie eigentlich irgendeinen Plan?
Wrabetz: Haben Sie meine Programmreform mitverfolgt?
profil: Danke für das Gespräch.

rainer.nikowitz@profil.at