'Reine Männersache' bei der FPÖ

Porträt. Karlheinz Klement ist stellvertretender FPÖ-Obmann und auch sonst politisch auffällig. Gernot Bauer über die Furcht des Kärntners vor Feministinnen, Homosexuellen und anderen Minderheiten.

Das deutsche Lachshuhn ist bedroht und der Mann in der Postmoderne auch. Doch gottlob gibt es Karlheinz Klement vom Sillehof am Magdalensberg bei Klagenfurt. Weil er tief drinnen noch ein Kärntner Bauernbub ist, züchtet Klement hobbymäßig seltene und seltsame Tiere: das Lakenfelder Huhn oder die gefährdete Altsteirer Henne. Es sind lustige Viecher, sagt Klement. Das deutsche Lachshuhn etwa ist sehr zutraulich und hat fünf Zehen.
In seinem Hauptberuf als FPÖ-Politiker gilt Klements Interesse vorwiegend den Gockeln. Seit Monaten versucht der Kärntner Abgeordnete wild entschlossen, sich in einen Abwehrkampf zum Schutz der Männer zu verwickeln. Doch da ihm natürliche Gegner fehlen, schafft er sich kurzerhand welche. Das in vielen Schlachten bewährte männliche Mittel: die Eskalation. In einer Nationalratssitzung vor wenigen Wochen bezeichnete er das Gleichbehandlungsgesetz als „Um­erziehungsprojekt“. Man müsse den „Gender-Wahnsinn“ bekämpfen. Die Ordnungsrufe von Nationalratspräsidentin Eva Glawischnig ignorierte er ebenso wie die Tumulte im Plenarsaal, die er ausgelöst hatte.

Vorvergangene Woche eröffnete Klement, Vater von drei Kindern, per Aussendung eine neue Front und zugleich Einblicke in seine Gefühlswelten: „Am Vatertag sollen Väter echte Männer sein dürfen. An 364 Tagen im Jahr werden wir Männer sowieso gemahnt und gegängelt. Wir sollen besser zuhören, im Sitzen die Blase leeren, im Haushalt helfen, sensibler sein und geduldige Liebhaber sein.“ Am Vatertag dagegen sollten die Frauen ihre Männer „einmal ohne das übliche Genörgel kegeln gehen oder mit Freunden gemütlich alle wichtigen Männerthemen besprechen lassen“.

„Die FPÖ ist eine Männerpartei“ , sagt Karlheinz Klement. Und in dieser Männerpartei fungiert er als Stellvertreter des Bundesparteiobmanns Heinz-Christian Strache. Seit einem Jahr dient Klement überdies als „Gleichbehandlungsbeauftragter“ der FPÖ. Seine Hauptgegner sind Männerfeinde aller Art: Richterinnen, die zulasten der Männer einseitig urteilen; die „Scheidungsindustrie“, die Männer schröpft; Mütter, die ihren Männern die Kinder vorenthalten; Gleichbehandlungsbeauftragte aller anderen Parteien, allesamt weiblich.

Der blaue Maskulinismus ist mehr als kalkulierte Bedienung der männlichen Zielgruppe. Missionar Klement hält mit seinem Glauben nicht hinterm Berg. Die Gender-Politik sei ein „Frankenstein-Projekt“. Im Zuge eines „Social Re-Engineerings“ sollten Buben zu Mädchen gewandelt werden. Das einzige Ziel der Feministinnen bestehe darin, „die segensreichen Unterschiede“ zwischen Männern und Frauen aufzuheben. Klement: „Für mich vertreten Frauen wie Alice Schwarzer oder Simone de Beauvoir verrückte Ansichten und ein krankes Menschenbild.“

Dem setzt der Strache-Stellvertreter seine vielfältig gelebte Männlichkeit gegenüber: „Ich bin stolz auf mein Geschlecht.“ Er fährt Motorrad, spielt Fußball und Eishockey, besitzt einen Pilotenschein und vor allem: „Ich liebe schöne Frauen.“ Schon in den unbeschwerten Tagen im Ring Freiheitlicher Jugend habe er mit dem späteren Klubobmann und Minister Herbert Scheibner um die Gunst der freiheitlichen Fräuleins gestritten. Doch leider würden heutzutage „die Kampfemanzen versuchen, den Frauen die Weiblichkeit auszutreiben“. Die Bedrohung des Mannes durch den Zeitgeist ist für Klement tatsächlich real. Ein Schatten fällt auf sein outdoor-gebräuntes Gesicht: „Wir müssen uns vor Feministinnen und Homos fürchten.“

Es ist die seltsame Angst der Mehrheit vor der vermuteten Macht der Minderheiten, die Klement antreibt. In einer Welt, wie er sie sieht, regieren weiße, heterosexuelle, inländische Männer – und zwar mit Recht: Schließlich hat das bisher zum Wohle aller ganz gut funktioniert. In einer Welt, wie Klement sie befürchtet, wollen Randgruppen der Gesellschaftsmehrheit ihre Lebensweise und Kultur aufzwingen. Fast ist es schon zu spät. Denn die Minderheiten machen Druck. Wäre er Wiener Bürgermeister, sagt Klement, gäbe es im Rathaus sicher keinen Life Ball. Dass sein eigener Obmann, Heinz-Christian Strache, am „Homo-Festl“ schon abtanzte, will er lieber nicht kommentieren. Und weil er kein „Weichei“ ist, nennt er die Dinge beim Namen: „Homosexualität ist für mich nicht normal, sondern wider die Natur.“ Auch im Tierreich, etwa bei Enten, komme sie nicht vor, auch wenn dies immer wieder behauptet werde. Denn: „Homosexualität ist eine Kultur des Todes.“ Schwule und Lesben setzten schließlich keine Kinder in die Welt.
Doch auch die normale, heterosexuelle Welt ist fortpflanzungsmäßig aus den Fugen. Im März erklärte Klement im Parlament „die weibliche Gebärmutter“ zum „gefährlichsten Ort in Österreich“. Seit 1945 habe es mehr Tote durch Abtreibung gegeben als im gesamten Zweiten Weltkrieg. Abtreibungswilligen Frauen sollte der Staat eine 10.000-Euro-Prämie zahlen, damit diese die Kinder austragen und zur Adoption freigeben könnten. Denn sonst wären die Österreicher in 100 Jahren ausgestorben.

Manchmal sind Klements politische Ideen selbst seiner eigenen Partei zu radikal. Als er im Februar forderte, Kinderlose aus dem Pensionssystem auszuschließen, distanzierte sich die FPÖ-Führung flugs. Seine Karriere in der Partei verdankt Klement genau genommen schierer Präsenz. Als Jörg Haider 2005 das orange BZÖ von der FPÖ abspaltete, blieben in Kärnten nur wenige Original-Freiheitliche übrig. Klement war da und politisch durchaus verwendungsfähig: gut aussehender Akademiker mit dem sonnigen Reindling-­Charme eines Wörthersee-Animateurs. Er wurde FPÖ-­Generalsekretär in Wien und geschäftsführender Landesparteiobmann in Kärnten. Dort gelang ihm aufgrund seines ­forschen Temperaments beinahe das Kunststück, die blaue Rest-FPÖ abermals zu spalten. Am Höhepunkt der Auseinandersetzungen entzog ihm der EU-Abgeordnete Andreas Mölzer das Duwort und wechselte zur Wiener Landespartei. Klements Wiener Karriere als FPÖ-Generalsekretär ging 2005 nach nur einem Jahr zu Ende. In der Parteizentrale wird er nicht sehr vermisst.

Karlheinz Klement ist, auch wenn er sich stolz als nationalen Rechtskonservativen sieht, in Wahrheit ein unpolitischer Mensch, wovon es so viele seit Jörg Haiders Aufstieg in die FPÖ zog. Sein politisches Programm speist sich aus dem eigenen Weltbild. Persönliche Lebenserfahrung ersetzt die Ideologie, und daher gibt es auch keine Selbstzweifel. Seine Haupthaltung ist der Widerstand: gegen alles vermeintlich Linke in und außerhalb der FPÖ; gegen allzu viele Zuwanderer; gegen Slowenen; gegen Gentechnik, „die gefährlicher ist als alle ABC-Waffen zusammen“; und als Tierschutz-Beauftragter der Partei gegen die Kaninchen-Käfigzucht. „Nur ein toter Fisch schwimmt mit dem Strom“, sagt Klement. Mag sich seine Partei vor allem um den kleinen Mann kümmern, geht es ihm um den ganzen. Den Spott aus anderen Parteien, er leide an Kastrationsängsten, hält der Freund des Kärntner Männerchors – selbst aktiv in der Sängerrunde Klagenfurt-Emmersdorf, dem Männergesangsverein Koschatbund und der Sängerrunde St. Michael – aus. Klement: „Ich stehe zu meiner Männlichkeit.“