Room-Service: Büro mit Butler

Im Rahmen neuer Bauprojekte setzen Architekten auf eine spezielle Kombination: Büroinfrastruktur mit Hotelservice.

Im Hilton wird wieder emsig gearbeitet – allerdings nicht etwa an der weiteren Renovierung des 1975 erbauten Wiener Hotels. Das Haus wurde erst kürzlich unter der Leitung des Architekten Hans Hollein um rund 65 Millionen Euro generalsaniert und vergangenen Mai wiedereröffnet. Gearbeitet wird vielmehr in so genannten Sky Offices im 13. und 14. Stock, in Konferenzräumen und in Büros, die Hausherr Hanno Soravia im ersten und zweiten Stock einer bestimmten Kategorie von Gästen offeriert: Mietern, die das Hotel als Arbeitsplatz nutzen.

Rund zehn Prozent der Gebäudefläche sind derartiger professioneller Nutzung vorbehalten. „Unser Angebot umfasst Services und Security und das größte innerstädtische Convention Center“, sagt Soravia. „Und die Adresse muss niemandem erklärt werden.“

Die Büroinfrastrukturen werden laut Soravia gerne beansprucht, Leerstände gebe es praktisch nicht. „Die hohe Leerstandsrate betrifft insbesondere so genannte Stand-alone Offices“, so Soravia. Die Büroflächen mit Blick über Wien können in den zwei oberen Stockwerken flexibel in der Größe zwischen 50 und 2500 Quadratmetern gestaltet werden. Die Büros in den ersten beiden Etagen besitzen einen eigenen Eingang von der Einkaufspassage und der Garage. Unternehmen wie die Österreich-Filiale der Bank Credit Agricole oder das österreichische Bergbauunternehmen Omya haben Büroflächen im Hilton bezogen.

Büros mit Hotelservice scheinen immer öfter als probates Instrument angesehen zu werden, um der Flaute auf dem Büromarkt entgegenzuwirken, und entsprechende Projekte sind derzeit in mehreren Regionen Wiens geplant. Auf den ehemaligen Komet-Gründen an der Schönbrunner Schlossstraße soll auf 12.000 Quadratmeter bebauter Fläche ein 119 Meter hoher Turm mit 58.000 Quadratmeter Nutzfläche entstehen. Dieses Siegerprojekt eines Wettbewerbs der Stadt Wien wurde kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellt.

Auf dem Areal plant Architekt Peter Podsedensek ein Objekt, das mit einem Seminarzentrum, Geschäften, einem Hotel und Büros ausgestattet sein wird. Die Immobilie wird verkehrsgünstig an der Wiener Westeinfahrt liegen, der Meidlinger Busbahnhof und die U-Bahn-Station Meidling sind leicht erreichbar.

„Es gibt einen Andockpunkt im Erdgeschoss mit einem Empfangsbereich“, so Podsedensek. „Zur Rezeption in den eigentlichen Hotelbereich fährt man in den achten Stock.“ Mit dem Baubeginn rechnet Podsedensek „frühestens in zwei Jahren“.

Auch in einer anderen Region Wiens ist ein vergleichbares Projekt geplant. Bis 2008 sollen im Zuge der U2-Verlängerung bei der Krieau auf einem 40.000 Quadratmeter großen Grundstück ein Bürohochhaus, ein Hotel und ein weiteres Bürogebäude entstehen. Ein Einkaufszentrum und Wohnungen sollen folgen.

Die U2 Stadtentwicklung GmbH, ein Private-Public-Partnership-Modell zwischen der Wien Holding, der IG Immobilien GmbH und der IC Projektentwicklung GmbH, plant dort ab Ende 2005 die Grundsteinlegung für einen rund 80 Meter hohen Turm. „Das Hochhaus soll zur Landmark dieses Gebiets werden“, erklärt Projektleiterin Sabine Ullrich. Neun österreichische Architekten wurden zum Wettbewerb geladen. „Direkt neben dem Bürohochhaus soll als harmonische architektonische Einheit das Hotel stehen“, so Ullrich. Die eingereichten Projekte werden derzeit geprüft. Eine Entscheidung soll bis Ende November fallen.