Schandgeldautomaten

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Josef Martinz, oder die Tücken des Steigbügels.

Seine Rolle in der Kärntner Landesregierung war klar umrissen. Josef Martinz spielte stets den seriösen Part ­neben dem Hasardeur Jörg Haider und dessen schrillem Nachfolger Gerhard Dörfler: freundlich, verbindlich, für Kärntner Verhältnisse beinahe staatsmännisch. Martinz, 53, entstammt einem klassischen Kleinunternehmermilieu, er betreibt bis heute einen Campingplatz samt Restaurant und Tennisplatz am Ossiacher See. Über die Lokalpolitik schaffte er den Sprung an die Spitze der Landespartei. Als Steig­bügelhalter für die Freiheit­lichen (und später das BZÖ) kam der studierte Betriebs­wirt in die Kärntner Landesregierung – und in den Aufsichtsrat der Kärnten Holding, bis zum Verkauf der Bank größter Einzelaktionär der Hypo Alpe-Adria.

Mit der Verantwortung kam die Versuchung und schließlich der ungenierte Zugriff auf Landesvermögen. „Besser wirtschaften für unser Kärnten“, der Slogan im Wahlkampf 2009, bekommt im Rückblick eine gewisse Doppeldeutigkeit. Zu diesem Zeitpunkt hatte Martinz die klammen ÖVP-Parteikassen nämlich bereits mit 100.000 Euro aus dem Millionen­honorar seines Steuerberaters Dietrich Birnbacher gefüllt. Hartnäckig setzte Martinz den bereits früh aufgekommenen Vorwürfen der versteckten Parteienfinanzierung das Bild des redlichen Wirtschafts­treibenden ­entgegen.

Bis zuletzt.

Seinen Rücktritt als Landesrat inszenierte Martinz Anfang des Jahres als Kulturleistung: „Ich muss meine Ehre verteidigen und meine Familie schützen und setze einen wichtigen Schritt für die politische Kultur im Land.“ Dafür erhielt er auch noch Applaus von Parteichef Michael Spindelegger: „Ich glaube, dass Martinz damit zeigt, dass er eine andere Art der Verantwortung an den Tag legt als andere Kärntner Politiker.“ Auch im Gerichtsverfahren gab sich Martinz kämpferisch: „Ich bin weiter vollkommen von meiner Unschuld überzeugt, und dafür kämpfe ich und hoffe, dass mir dabei die eigenen Leute nicht in den Rücken fallen.“
Als Dietrich Birnbacher ein umfassendes Geständnis ­ablegte, war er als Lügner entlarvt. „Nach der Abwicklung des Hypo-Verkaufs ­haben Haider und ich die Idee entwickelt, dass etwas an die Parteien gehen soll“, musste er kleinlaut gestehen. Damit war er auch als Landesparteichef und ÖVP-Mitglied Geschichte. Seine späte Einsicht wollte Martinz mit aktionistischer Reue untermauern und knallte ein Sparbuch – „die verfluchten 65.000 ­Euro Schandgeld“ – auf den Tisch. Das Gericht gab das Sparbuch umgehend zurück und verurteilte Martinz in erster Instanz zu fünfeinhalb Jahren Haft wegen Untreue.