Rainer Nikowitz

Schwarz-Rot? Gold!

Schwarz-Rot? Gold!

Drucken

Schriftgröße

profil: Meine Herren, wie schaut’s aus? Sind Sie sich einig?
Faymann: Ich mir schon.
Pröll: Und ich sag so: Aufgeben tut man einen Brief.
Faymann: Und wem hast du zu verdanken, dass du das überhaupt noch kannst? Mir!
Pröll: Erinner mi net dran – sonst werd i zum Steirer.

profil: Herr Faymann, Ihr Alleingang in Sachen Post war gegenüber der ÖVP nicht gerade die feine Art.
Faymann: Aber ham S’ glesen, was am nächsten Tag in den Zeitungen gstanden is? Dass ich der Retter der Post bin!

profil: Soweit ich mich erinnere, ist das nur in einer Zeitung gestanden.
Faymann: Gibt’s mehr?
Pröll: Der Retter der Post, dass i net lach. Vielleicht sollten die Postler wirklich streiken. Vor allem die 600, die im Job- und Entwicklungscenter Daumen drehen. Dann hätten die endlich einmal was zu tun.
Faymann: Sie sehen – man kann der ÖVP ihre neoliberale Kälte schwer abgewöhnen.

profil: Kritiker vermissen im bisher bekannt gewordenen Verhandlungsergebnis den großen Wurf.
Pröll: Des hab i scho gern. Zuerst der ÖVP nicht die Absolute geben und si dann wundern.
Faymann: Komisch. Ich habe nirgendwo eine Kritik gelesen. Nicht einmal beim Herrn Strudl – und der ist bekannt kritisch. Und was wäre denn überhaupt ein großer Wurf?

profil: Nun, vielleicht zuallererst einmal eine Verwaltungsreform, die den Namen verdient. Sie haben ausgerechnet zwei Landeshauptleute darüber verhandeln lassen, die überraschenderweise finden, dass eh alles passt.
Faymann: No, dann wird’s scho stimmen.
Pröll: Sie wollen doch hoffentlich nicht den Föderalismus infrage stellen?

profil: Warum nicht?
Pröll: Weil ich Ihnen dann meinen Onkel vorbeischick.
Faymann: Und ich auch.

profil: Und ein jährliches Einsparungspotenzial von mehreren Milliarden Euro ist Ihnen wurscht?
Faymann: Geben ist seliger denn Nehmen.
Pröll: He! Die Bibel is immer no unser Strategiepapier.

profil: In der Budgetpolitik auch?
Pröll: Für den Teil verwenden wir am liebsten das Alte Testament.

profil: Sie wollen die 3-Prozent-De­fizitgrenze ja zumindest nicht nachhaltig überschreiten. Wie soll denn das gehen?
Faymann: Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.
Pröll: Aus jetzt! I zitier a net dauernd aus’m „Kapital“!
Faymann: I hätt nix dagegen.

profil: Das ist ja eine sehr interessante Debatte, aber was machen wir jetzt mit dem Budget?
Faymann: Verhandelt der jetzt a scho mit?
Pröll: Hören S’: I hab eh scho die Länder und die Bünde im Gnack. Mehr Platz is da nimmer.
Faymann: Schreiben S’ einfach: Kommt Zeit, kommt Rat.

profil: Beeindruckend. Nun gut. Auch beim großen Brocken Gesundheit besteht die Koalitionseinigung offenbar nur aus Überschriften. Und das, obwohl hier mit dem Chef der Beamtengewerkschaft und dem Chef der Eisenbahnergewerkschaft geballte Reformkraft am Tisch saß.
Faymann: Meint er des jetzt ironisch?
Pröll: I würd’s net gänzlich ausschließen. Obwohl, was deinen Abstellgleiser betrifft, hat er ja Recht.
Faymann: Ah so? Und dein wohlerworbener Rechtebetonierer is a Lercherl oder was?

profil: Wissen Sie was? Kümmern Sie sich einfach nicht um mich.
Faymann: Eh net.
Pröll: Die Qualität der Gesundheitsversorgung darf nicht sinken. Also muss jedes Spital so bleiben, wie es ist. Vor allem, wenn es in einem schwarzen Bundesland steht.
Faymann: Die Finanzprobleme der Krankenkassen müssen behoben werden. Vor allem, wenn es rote Kassen sind.

profil: Da täte sich jetzt wieder eine interessante Frage auf ...
Pröll: Finde ich nicht.

profil: Wie soll das finanziert werden?
Faymann: Der fragt immer desselbe. Sie sollten einmal bei einer richtigen Zeitung arbeiten.

profil: Die Ressortverteilung bleibt ja erstaunlicherweise offenbar nahezu gleich.
Pröll: Die hat sich ja auch bewährt. Zumindest in den wichtigen Ressorts sollte die Vernunft am Ruder sein.
Faymann: Hauptsach, der Regierungschef is ein klasser Bursch.
Pröll: Ah – gibst ihn jetzt doch mir?

profil: Von Ihnen beiden wird es abhängen, ob wir uns nach der nächsten Wahl auf einen Bundeskanzler Strache freuen dürfen.
Pröll: Das ist in der ÖVP nun wirklich jedem Einzelnen bewusst.

profil: Na schau. Wie einen der erste Eindruck manchmal täuschen kann!
Faymann: Wir werden dem Herrn Strache das Wasser abgraben. Populistisch zu sein ist nun wirklich keine Kunst.
Pröll: Genau. Des kannst sogar du.
Faymann: Nur kein Neid. Und außerdem steht in der Zeitung, dass ich viel mehr kann.

profil: Danke für das Gespräch.
Pröll: In fünf Jahr putz i di.

profil: Danke für das Gesprä-häch!
Faymann: Des schau ma uns an.

profil: Danke für ... ach, egal.
Pröll: Und eins sag i dir ...