Seewinkelhof Salzl

Die gegen den Strom schwimmen.

Der österreichische Qualitätsweinboom ist auch eine Frage der Gebäudegröße. Man kommt mit dem Ausbauen einfach nicht hinterher. Erst vor vier Jahren haben Salzls ihre Kellerei vom Illmitzer Ortskern herausverlegt auf die grüne Wiese, in einen schönen, großzügigen Neubau gleich bei der nördlichen Ortseinfahrt. Und schon muss der Juniorchef, Christoph Salzl, eine weitere Vergrößerung der Anlage ins Auge fassen: „Dabei wollen wir gar nicht noch weiter expandieren. Aber logistisch stoßen wir schon manchmal an unsere Grenzen.“ Andererseits sieht das, was es jetzt schon gibt, eigentlich recht praktisch aus, Salzls haben sich sehr zweckhaft eingerichtet. Es gibt keinen Romantik-Keller, kein rustikales Verkostungsstüberl, sondern eine luftige, lichtdurchflutete Vinothek und ein alle Stücke der modernen Warenwirtschaft spielendes Lager gleich dahinter. „Der Ab-Hof-Verkauf ist für uns immer noch sehr wichtig. Darum wollten wir die Flaschen möglichst in Griffweite haben.“ Ein wenig Emotion darf aber schon auch sein, weshalb Christoph Salz den Neubau als Sinnbild verstanden wissen will: „Das Gebäude soll Wärme und Harmonie ausstrahlen, so wie die Gegend, und so wie die Weine, die hier wachsen.“

Produziert werden diese Weine nach wie vor im Familienverbund. Großvater Heribert, der einst die Mischwirtschaft auf Weinbau mit Schwerpunkt Süßwein umstellte, arbeitet immer noch im Weingarten mit; Vater Josef, der das Gut in den achtziger Jahren völlig neu aufstellte und auf Rotwein fokussierte, ist immer noch der Chef; Christoph ein fast gleichberechtigter Junior; nur was die fünf Monate alte Junior-Juniorchefin, die in ihrer Babywippe vor sich hingigerlt, einmal machen wird, steht leider noch nicht fest. Die prinzipielle Richtung ist aber klar: „Wir wollen schon ein bisschen gegen den Blaufränkisch-Strom schwimmen.“ Der internationale Siegeszug der anderen autochthonen Rotwein-Leitsorte ist den Zweigeltwinzern vom Seewinkel merkbar Ansporn zu ähnlichen Erfolgen, aber mit der neuen Neusiedlersee-DAC- Region sollte das ohnehin kein Problem darstellen. Es gilt das Motto: Gemeinsam sind sogar Winzer stärker. „Noch vor zwei Generationen war jeder Weinbauer ein absoluter Einzelkämpfer und hat allein gegen den Rest der Welt gearbeitet.

Inzwischen können wir alle sehr gut miteinander reden, und keiner ist den anderen etwas neidig. Wir stellen gemeinsam was auf die Beine. Das bringt jedem was. Und je mehr bekannte Aushängeschilder es gibt, desto mehr Leute kommen auch hierher in die Region.“ Und wenn auf einem dieser Aushängeschilder Salzl steht, soll es auch kein Schaden sein.