Service: Abheben zum Spartarif

Nur wer seine Serviceansprüche herunterschraubt, auf Überraschungen gefasst ist und zeitlich flexibel bleibt, hat die nötigen Voraussetzungen, um mit Billig-Airlines günstig zu fliegen.

Um 29 Euro nach Barcelona, für 30 Euro nach Agadir oder Palma de Mallorca, zum Preis von 29 Euro von Graz nach Mailand. Solche und ähnliche Angebote springen dem hoffnungsvollen Betrachter ins Auge, der im Internet die Angebote der Billig-Airlines studiert.

Zwölf dieser so genannten Low Cost Carrier (siehe Tabelle) buhlen mittlerweile auch in Österreich um preisbewusste Flugpassagiere, bedienen Strecken zu deutschen Großstädten, nach London oder in einige südlichere Urlaubsdestinationen. Doch der Weg zum Billig-Ticket ist meist mit Hürden verbunden und mit Finten gepflastert. Denn in der Werbeschlacht um sparwillige Passagiere werden die Angebote nicht selten mit fragwürdigen Methoden aufgepeppt. Die lockenden Werbesprüche haben in der Folge vielfach nur mehr wenig mit den tatsächlichen Flugpreisen zu tun.

  • „Die Preise aus der Werbung gelten immer nur für ein verhältnismäßig kleines Kontingent. Ist das vergriffen, steigt der Preis um ein Vielfaches“, erklärt Norbert Draskovits, Vorstand des Österreichischen Verkehrsbüros. Für einen Flug in eine europäische Destination können so auch bei Billigfliegern schnell Ticketpreise von 200 Euro und mehr zustande kommen. Für dasselbe Geld kann man häufig schon in der Economy Class eines herkömmlichen Linienfliegers Platz nehmen. Somit kommt nur in den Genuss eines echten Schnäppchentarifs, wer flexibel ist und zumindest einige Wochen vor dem Abflug bucht.
  • Billig-Flieger bewerben meist nur den Preis für die einfache Flugstrecke. Hin- und Rückflug werden separat bepreist und verkauft. Soll der Rückflug an einem stark nachgefragten Termin stattfinden, ist er schnell um ein Vielfaches teurer als der Hinflug. Auch am Wochenende oder zu angenehmen Tageszeiten muss für ein Ticket deutlich mehr berappt werden. Somit sind Passagiere, die an feste Termine gebunden sind, wie etwa Geschäftsreisende, meist vom Kreis der erfolgreichen Schnäppchenjäger ausgegrenzt.
  • Die ausgewiesenen Kampfpreise beinhalten noch nicht alle anfallenden Extragebühren. Zusätzlich zum 29-Euro-Billig-Ticket müssen die Flughafen- und Sicherheitsgebühren bezahlt werden, die je nach Airport auch 30 Euro und mehr betragen können. Darüber hinaus ist manchmal, wie etwa bei Ryanair, auch noch mit Buchungs- oder Kreditkartengebühren zu rechnen.
  • Die meisten Low Cost Carrier bieten darüber hinaus wenig kundenfreundliche Bedingungen: Eine Umbuchung ist vielfach gänzlich ausgeschlossen oder nur gegen zusätzliche Gebühren möglich. Wer umsteigen will, muss sein Gepäck selbst abholen und wieder neu einchecken. Ebenso wenig lassen sich Billigairlines für die Einhaltung der Flugpläne in die Verantwortung nehmen. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen schließen unisono die Haftung für allfällige Verspätungen aus. Fällt ein Flug aus oder hat er Verspätung, muss der Kunde selber schauen, wie er weiterkommt.
  • Die Praxis, abseits der Ballungszentren gelegene, billigere Flughäfen anzufliegen, sorgt für zusätzliche Transferkosten und eine oft erhebliche Verlängerung der Reisezeit. So muss etwa für Flüge mit Sky Europe der Transfer nach Bratislava in Kauf genommen werden.
  • Bei einigen der Billig-Airlines, wie etwa Ryanair oder Helvetic, ist die Verpflegung an Bord zudem extra zu bezahlen.

Pauschalreisen billiger. „Bei kurzfristiger Buchung können die Spartarife der Linienflüge beziehungsweise die Last-Minute-Angebote der Pauschalreiseanbieter oft günstiger als Billig-Airlines sein“, so Rudolf Kadanka, Sprecher des österreichischen Reisebüroverbandes. Die Austrian Airlines etwa bieten seit vergangenem Herbst so genannte redtickets als Alternative zu Billig-Airlines an. Je nach Flugzeuggröße und Destination werden im Schnitt zehn Prozent der Plätze zu Sonderkonditionen offeriert. Erst vergangene Woche hat das Unternehmen wieder 20.000 solcher Billigplätze für die Osterreisezeit auf den Markt geworfen.

Um in deren Genuss zu kommen, gelten aber ähnliche Bedingungen wie bei den Low Cost Carriern: Das Kontingent ist begrenzt, gebucht kann nur innerhalb eines bestimmten Zeitraumes werden, und im Fall von Umbuchungen muss der Kunde jederzeit damit rechnen, nur mehr ein Ticket einer teureren Kategorie zu bekommen. Zudem werden meist auch Gebühren fällig. Und wer kurzfristig stornieren muss, fällt um den eingezahlten Betrag um.

Dafür sind die redtickets auch über Reisebüros erhältlich. Und dort zu buchen, hat laut Draskovits vor allem den Vorteil, dass der Passagier rechtlich abgesichert ist, falls der Flug ausfällt oder gravierende Verspätung hat.