Sind Schwiegermütter Witzfiguren?

Anmerkungen zu einer einzigartigen Spezies.

Warum sind Schwiegermütter dermaßen überrepräsentierte Subjekte guter oder schlechter, jedenfalls aber bösartiger Witze? Wie kommt es, dass Schwiegerväter als für zu flach, eigenschaftslos, wohl auch kürzerlebig angesehen werden, um über sie Witze zu machen? Sind die pointierten Reaktionen auf die Existenz der Schwiegermütter nur berechtigte Notwehr gegen ihre im Grunde unantastbare Größe, oder ist es der allgemeine Hass auf (ältere) Frauen, der sich in einer vertrauten Person gesellschaftlich akzeptabel surrogieren lässt?

Einzigartig an diesem Phänomen ist, dass Schwiegermütter Zielscheiben von Männern und Frauen sind. Im Witz überwiegt zwar die männliche Abneigung gegen ihre Schwiegermütter – hier mag das Unverständnis für bestenfalls lästige, nutzlose, schlimmstenfalls tückische, feindselige, jedenfalls „alte Weiber“ durchschlagen; in der Wirklichkeit aber sind es weitaus öfter die Frauen, die vor ihren Schwiegermüttern Angst haben. Sie fühlen sich als jüngere Konkurrentin behandelt, die es dem vergötterten Sohn nicht recht machen kann. Obgleich die Vater-Tochter-Beziehung eine meistens sehr innige ist, haben Männer mit ihren Schwiegervätern kaum Probleme; es sei denn, die sind Witwer.

Die Schwiegermutter nimmt eine Position ein, die sonst nur Monster, Mumien oder Menschenfresser besetzen – niemals aber Dodeln, denn es gibt so gut wie keine Witze über idiotische Schwiegermütter; mangelnder Geist wird ihr beileibe nicht vorgeworfen, sondern Missbrauch ihrer diabolischen Intelligenz. Da als ihre bevorzugte Waffe die vernichtende Intrige unterstellt wird, kann sie nur mit dem Zynismus der Verzweiflung bekämpft werden.

Was ist, wenn die Schwiegermutter aus dem Kellerfenster schaut? – Dann ist die Kette zu lang.“ Wir lernen, wie man(n) sie zu behandeln hat. Noch drastischer ist folgender personaldienliche Hinweis: „Ein Mann gibt dem Leichenbestatter 100 Euro extra, damit er die Tote mit dem Gesicht nach unten begräbt. Auf die Frage, warum er das wünscht, antwortet er: ‚Sie war schon zweimal scheintot. Sollte sie noch einmal erwachen, gräbt sie diesmal in die falsche Richtung.‘“ Selbst die Tote ist dem Schwiegersohn also noch so unheimlich, dass er dem ewigen Frieden nicht traut; in diesem Witz scheint zwar die Tote ein etwas einfältiges Gewohnheitstier zu sein, doch das ist typisch männlich grob betrachtet: der Auftraggeber wäre mit einer Einäscherung wesentlich sicherer dran.

Kurze Statements umreißen das lange Elend der schwiegermütterlich Gepeinigten. Bissig ist der Befund auf die Frage: „Was ist die Höchststrafe für Bigamie? – Zwei Schwiegermütter.“ Und von finalem Fatalismus zeugt die Empfehlung: „Die Verlobte beruhigt ihren Liebsten: ‚Meine Mutter ist ein Schatz.‘ – Er: ‚Vergrab sie.‘“

Das höhere Alter der Schwiegermutter dient nur selten der Komik. „Vor der Hochzeitsnacht sagt die Braut: ‚Mutti, eine Frage hab ich noch.‘ – ‚Ich weiߑ, lächelt die Mutter. ‚Also, wenn er dich zunächst auf den Hals küsst und dann ...‘ – ‚Vögeln kann ich selber. Ich will nur wissen, wie man Knödel macht.‘“

Auch über das Aussehen wird nicht oft gespottet. Ein seltenes Beispiel: „Ein Mann fährt in einem Auto, als eine Schildkröte über die Straße haxelt. Er steigt aus, bringt sie in Sicherheit. Sie verwandelt sich in eine Fee und will ihm einen Herzenswunsch erfüllen. Er bittet: ‚Lass meinen Hund ein Rennen gewinnen.‘ Sie schaut auf den Hund und sagt: ‚Der hat ja nur drei Beine. So stark ist mein Zauber nicht.‘ Da deutet der Mann auf den Beifahrersitz: ‚Dann lass meine Schwiegermutter einen Schönheitspreis gewinnen.‘ Da sagt die Fee: ‚Kann ich mir den Hund noch einmal ansehen?‘“

Der Witz ist besonders perfid, weil hier ein „liebender Schwiegersohn“ imaginiert wird.

Zu einem Hardcore-Klassiker ist der geworden: „Ein Mann trifft seinen Freund: ‚Ich hab gehört, deine Schwiegermutter ist gestorben. Was hat sie denn gehabt?‘ – ‚Na ja, ein paar Schmucksachen, einen Fernseher ...‘ – ‚Nein. Was hat ihr gefehlt?‘ – ‚Sparbücher, Eigentum wie Haus oder Grund.‘ – ‚Ich mein: Woran ist sie gestorben?‘ – ‚Na ja, ich hab sie gebeten, sie soll zum Nachtmahl aus dem Keller Erdäpfel holen. Da ist sie auf einer Stufe ausgerutscht und hat sich das Genick gebrochen.‘ – ‚Um Gottes willen! Was habts ihr da gemacht?‘ – ‚Nudeln.‘“

Es gibt aber auch schon Heldinnen. „Die junge Ehefrau zu ihrer Schwiegermutter: ‚Dein Sohn hat gesagt, wenn ich ihn betrüge, tötet er mich!‘ – ‚Keine Angst. Das hat dein Schwiegervater auch gesagt, und ich leb noch.‘“

Eine Studie besagt, dass doppelt so viel Frauen wie Männer deren Mütter fürchten, das ist aber maximal nur ein Fünftel. Und 43 Prozent aller Männer halten ihre Schwiegermutter für eine „liebenswerte Frau“.

Und wie: „Eine Frau stellt einen jungen Mann: ‚Sie haben meine Tochter gefragt, ob sie Ihre Frau werden will. Warum haben Sie nicht zuerst mit mir gesprochen?‘ – ‚Ich hab nicht gewusst, dass Sie mich auch lieben.‘“